„Brüder – Mutig wie wir“ von Jason Reynolds

Jason Reynolds hat einen packenden Jugendroman geschrieben. Foto: Dana Roc

Unterschiedliche Charaktere, Konflikte im Miteinander, persönliches Ringen zwischen Angst und Mut, Schuld, Verzeihung und Versöhnung prägen diese Familiengeschichte.

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. Während die Eltern zum Jamaika-Urlaub fahren, um ihre Streitigkeiten zu klären, verbringen die Brüder Ernie und Genie fernab von Brooklyn die Ferien auf dem Hof der Großeltern. Da sind Erbsen zu pflücken und zu verkaufen, der Hof zu kehren. Nebenbei aber lernen sie die patente Kess kennen, die vor allem Ernie gefällt, und entdecken sie das verlassene Haus voller Vögel mit dem Baum mittendrin. Viel Zeit verbringt der feinfühlige, alles hinterfragende Genie mit dem blinden Großvater, der ihm seinen Rückzugsraum öffnet, die Pflege der Vögel in den Käfigen anvertraut und sogar bittet, ihn heimlich im Dunkeln zu tastenden Schritten auf den Hof zu begleiten, ohne dass die resolute Großmutter es merkt.

Bald deutet sich an: Nicht alles war und ist unbeschwert in dieser Familie. Es gibt Zerwürfnisse zwischen den Großeltern, auch dem Großvater und dem Vater der Brüder. Alles hat seine Geschichte. Auch Genie verstrickt sich in Missgeschicke, quält sich darum, kann’s doch nicht ändern. Er schweigt, und hätte doch Mut zum Reden gebraucht, als er Ernies Angst vor dem ersten Schießversuch spürt, zu dem der Großvater Ernie am 14. Geburtstag drängt. Die Sache endet mit ausgeschlagenen Vorderzähnen. Der Vorwurf der Großmutter steht im Raum: Der Starrsinn des Großvaters, mit dem er andere verleitet zu tun, wovor sie Angst haben, bringt und brachte Unglück; sogar den Tod eines Sohnes.

Unterschiedliche Charaktere, Konflikte im Miteinander, persönliches Ringen zwischen Angst und Mut, Schuld, Schweigen und Geständnis, Verzeihung und Versöhnung prägen diese Familiengeschichte. Spannend, facettenreich komponiert ist sie, und doch geht keiner der Handlungs- und Motivfäden verloren. Das Ende versöhnt, Hoffnung ist erlaubt.