Auf ein Wort: Ostern

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In Deutschland feiern wir Ostern und in England Easter. In vielen anderen europäischen Ländern hört das höchste christliche Fest aber auf Nachfolger des lateinischen Wortes...

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. In Deutschland feiern wir Ostern und in England Easter. In vielen anderen europäischen Ländern hört das höchste christliche Fest aber auf Nachfolger des lateinischen Wortes "pascha" (aus hebräischem "pessach").

Möglicherweise war es der christliche Missionar Bonifatius, der es hierzulande "Ostern" werden ließ. Sein Zeitgenosse Beda Venerabilis hatte im Jahr 738 geschrieben, der Monat April werde auch als "Eostur"-Monat bezeichnet - nach einer vorchristlichen Göttin namens "Eostre". Bonifatius könnte also das Wort aus seiner angelsächsischen Heimat mitgebracht haben.

Ostern

Aber wie konnte eine vorchristliche Göttin zur Namenspatin des wichtigsten christlichen Festes werden? Eigentlich gar nicht. Darin sind sich die Forscher inzwischen einig - zumal es nirgends sonst einen Hinweise auf diese ominöse Göttin gibt.

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Bleibt man aber bei den sprachlichen Wurzeln, dann ist recht wahrscheinlich, dass im Wort Ostern das althochdeutsche "ostar" mit der schlichten Bedeutung "östlich" steckt. Der Duden führt aus, das damit "in Richtung der aufgehenden Sonne" gemeint ist. Zu Ostern erlebt man also beim Blick auf die im Osten aufgehende Sonne sinnbildlich die Auferstehung Christi.

Eine andere Deutung hat sich der Sprachforscher Jürgen Udolph überlegt: Er bringt Ostern mit einem altnordischen Wort "austr" zusammen, das soviel bedeutet wie "begießen". Damit würde es auf die Taufe hinweisen, die im frühen Christentum tatsächlich auf die Osterzeit beschränkt war. Zudem vermag diese Deutung zu erklären, warum unser Ostern am Ende ein -n aufweist, was die Mehrzahl anzeigt. Denn es hätten ja dann tatsächlich viele "Begießungen", also Taufen, stattgefunden.

Nichts mit Ostern zu tun hat übrigens der Ort (Ober- und Nieder-) Ostern im Odenwald. Er taucht laut dem Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg zum Jahr 880 als "Osterenaha" in einer Urkunde auf. Und bedeutet schlicht: die Siedlung am östlichen Bach. Aber Ostern feiern sie da natürlich auch.