Musical "Hairspray" in Marburg mit starker Gießener Beteiligung

Susann Ketley (rechts) als pummelige Tracy; neben ihr der Jesus-Darsteller des vorigen Jahres, Lukas Nadjiri als Seeweed im Gespräch mit Penny, gespielt von Viola Wanke.

Mit starker Beteiligung aus Gießen und Umgebung geht in der Marburger Waggonhalle eine kunterbunte Inszenierung des Musicals "Hairspray" über die Bühne. Es ist ein Riesenvergnügen.

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MARBURG. Manche Dinge werden immer besser. Die Waggonhalle in Marburg stellt jetzt ihre 29. Eigenproduktion eines Musicals vor, es ist "Hairspray". Die musikalische Leitung hat Tom Feldrappe, Regie führt Artur Molin, die Choreografie besorgte Astrid Kolter, die Ausstattung übernahm Daniela Vogt. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht ein Riesenvergnügen: musikalisch, optisch und nicht zuletzt tänzerisch. Heute Abend ist die Premiere. Ausverkauft.

Der Spaß kommt zum einen davon, dass hier ein enorm motiviertes Ensemble - die meisten stammen aus oder leben in Gießen, einige in Wetzlar und Butzbach - restlos alles gibt: Hier wird mit so viel Schwung und Hingabe getanzt, wie es überhaupt möglich ist. Hinzu kommt, dass die Darsteller auch gesanglich bestens ausgesucht und disponiert sind - so stabile Chöre, und lieblich dazu - wünscht man sich im Musical. Tom Feldrappe, er ist zum dritten Mal als musikalischer Leiter dabei, hat das Geschehen fest im Griff und lässt das Orchester einen knackigen Soundtrack liefern, den er umsichtig gestaltet und hoch sensibel ins Geschehen einpflegt: perfektes Timing.

Die Hauptrolle ist mit Susann Ketley als Tracy Turnblad treffend besetzt. Das füllige Mädchen kämpft um eine Karriere in der Corny-Collins-Show im lokalen Fernsehen, obgleich sie nicht im üblichen Sinne hübsch ist: "Zu dick", sagt die etwas hysterische Produzentin (exzellent knallhart: Regina Spermann) gnadenlos zu ihr. Aber eine Schwangerschaft im Ensemble gibt ihr die Chance, sich zu bewähren. Als ihre Freundin Penny Pingleton, mit der sie regelmäßig die Show verfolgt, agiert permanent quirlig und sympathisch Viola Wanke.

Die Geschichte enthält jede Menge farbiger Figuren. Als schwiemeliger Gastgeber und Moderator (mit schicker Tolle von Lilo Siegel) Corny Collins ist Sergei Feller ausgezeichnet besetzt, genau wie im Grunde sämtliche Rollen, das fällt alsbald auf. Heraus ragen Joscha Grolig (Edna) und Robin Lautenbacher (Wilbur Turnblad) als Elternpaar, das auch ein paar hinreißende, sehr gefühlvoll getanzte Doppelszenen hat. Natürlich gibt es einen hinreißenden Liebhaber (Link Larkin), den Nick Stolte überaus sympathisch und rundum glaubwürdig dargestellt. Er erweist sich nicht nur bei einem Solo auch als versierter Tänzer.

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Das gilt nun wirklich für das ganze Ensemble. Alle Tanzblöcke sind nicht nur von Astrid Kolter äußerst schwungvoll choreografiert, sodass stets Leben herrscht auf der Bühne. Darüber hinaus haben es Kolter und Regisseur Molin hinbekommen, dass alle Darsteller ihre Figuren sichtbar inhaltlich füllen. Gemeinsam mit den überdurchschnittlich guten Gesangsparts ergibt sich so eine überaus lebendige Anmutung der Figuren, häufig sogar variiert. Hier zahlt sich die intensive Regiearbeit aus, auch entstehen immer wieder sehr schöne Bilder.

Das hat viel Zeit gekostet, musste jedoch eigentlich im Eiltempo erarbeitet werden. Feldrappe: "Es ist mit 60 Personen die größte Eigenproduktion bisher überhaupt. Wir haben im Januar gecastet, im Februar fingen die Proben für das Ensemble an, im März begann die Probenarbeit mit der Band.

Geprobt wurde außer in der Waggonhalle auch in der Musikschule Gießen, dem Step in Marburg und beim dortigen Landestheater. Die Bandproben fanden im Jugendzentrum Heuchelheim statt. Stilistisch herrschen die Sechziger: Bigband Sound, Twist und natürlich Rock'n'Roll. Die Show dauert etwa zweieinhalb Stunden."

Schwierig war es auch. "Wir bespielen ja praktisch jede Tür und jedes Fenster im Saal, das musste akribisch koordiniert werden, damit kein Schauspieler plötzlich vor einer geschlossenen Tür steht", erinnert sich Regieassistentin Diana Nusko. Und Ausstatterin Daniela Vogt hatte ihre liebe Not, "die Darsteller mit dem knappen Budget so schick in Schale zu bringen", wie es letztlich gelang. Plötzlich sagt sie: "Da geschieht gerade etwas, das nicht sein darf", und zischt quer durch den Saal, Hand anzulegen. Mindestens einen Mitspieler werden Besucher der letzten Produktion "Jesus Christ Superstar" wiederbegegnen. Lukas Nadjiri aus Gießen ist wieder dabei als Seeweed J. Stubbs.

Das Ensemble ist am Ende schnell weg, doch unter den Besuchern der Generalprobe herrscht eine gute Laune, die man direkt aus der Luft greifen könnte. Die Premiere ist ausverkauft, es gibt jedoch noch Restkarten für Freitag, 4. August, Samstag, 5. August (jeweils um 20 Uhr) und Sonntag, 6. August um 18 Uhr; weitere Aufführungen im September und Oktober. Nicht verpassen! Karten an der Abendkasse 23 Euro.