Luther im Mittelpunkt der Wormser Nibelungen-Festspiele

Das weltweit größte Denkmal des Reformators Martin Luther (1483-1546) steht in Worms. Foto: epd

Für sein Luther-Drama befasst sich der preisgekrönte Autor Lukas Bärfuss auch mit dunklen Seiten des Theologen.

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BERLIN/WORMS. Die Stadt Worms blickt ins Luther-Jahr 2021. Eine große Landesausstellung soll das Thema Gewissen in der Vordergrund stellen, dazu werden die Nibelungen-Festspiele sich ausnahmsweise von ihrem eigentlichen Thema, der Nibelungen-Sage, lösen und sich ebenfalls mit Luther beschäftigen. Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss schreibt gerade an dem Stück.

Bei der Vorstellung der Pläne der Nibelungen-Festspiele am Montag in Berlin sagte Bärfuss, dass er das Stück schlicht „Luther“ nennen werde. Man komme kaum darum herum, jeder verbinde ja ein Bild mit dem Reformator, dessen Auftritt beim Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V. Sich im kommenden Jahr zum 500ten Male jährt. Bärfuss schreibt „eine große Reise von 1521 bis heute“, so der künstlerische Leiter und Dramaturg der Festspiele, Thomas Laue. Autor Bärfuss dazu: „Es braucht die Spiegelung zur Gegenwart.“ Wie genau das im Stück sein wird, lässt Bärfuss offen, er wolle zunächst weiter selbst neugierig bleiben auf das, was ihm in der Recherche begegnet. Grundsätzlich verfolgten uns aber die konfessionellen Spannungen bis heute, nicht nur in Nordirland. Zudem sei Luther „ein unglaublicher Populist“ gewesen, habe die medialen Möglichkeiten seiner Zeit extrem genutzt. Was wir heute unter „Öffentlichkeit“ kennen, sei damals erst entstanden.

Bärfuss attestiert Luther zudem eine hohe Aggressivität und „eine Liebe zur Eskalationsdramaturgie“, er habe sich selbst in Fahrt gebracht. Das gebe es in Zeiten von Twitter auch heute, diese Art der „Selbsteskalation“, eben auch bei Führungspersönlichkeiten, wenn auch „mit anderer Frisur“. Da muss er gar keine Namen mehr nennen.

Den Titel „Landesausstellung“ vergebe das Land nur selten, betont Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Für die große Lutherausstellung vom 17. April bis zum 31. Oktober 2021 im städtischen Museum Andreasstift habe man das gerne getan. Dreyer ist überzeugt, dass Worms im Lutherjahr 2021 im Mittelpunkt stehen werde: „Da wird man nur auf Worms schauen. Was Luther hier gesagt hat, ist der Kern der Reformation.“ „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ ist der Titel der Ausstellung und der Leiter des wissenschaftlichen Beirates für diese Landesausstellung, Professor Thomas Kaufmann, betonte sogleich, dass man ein „Fake-Wort“ zum Titel gemacht habe. Denn das berühmte Zitat, wonach er eben stehe und nicht anders könne, hat Luther nie gesagt. Auch darum werde es in der Ausstellung gehen: „Luther ist immer auch eine Inszenierung.“ Der Reformator war der „erste Medienstar“, so Kaufmann. Die Ausstellung wolle zum einen „Wege in einer ältere deutsche Tradition bahnen. Wir dürfen die Geschichtserinnerung nicht den Rechtspopulisten überlassen“, so Kaufmann. Zum anderen sei es beim Wormser Reichstag um die Dinge gegangen, „die uns bis heute beschäftigen.“ Das könne man „wie unter einem Brennglas“ lesen. Es gehe nicht um eine große Moralkeule, betont Kaufmann vorsichtshalber, aber auch die Fragen wie Ernährung mit viel Fleisch, Klimawandel – das habe auch mit dem Gewissen, mit der individuellen Entscheidung zu tun. Dann wird es aber doch zumindest ein bisschen moralisch. Irgendwann werde es bestimmt eine Zeit geben, die zurückblickt, und nicht mehr versteht, wie eine Generation über ihre Ressourcen hinaus gelebt hat, hofft der Professor.

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Intendant Nico Hofmann sagt, der Vorverkauf laufe bereits sehr gut, sowohl für das aktuelle Stück, als auch das Lutherstück, das ausnahmsweise schon parallel im Vorverkauf sei. 2020 wird „Hildensaga. Ein Königinnendrama“ gespielt. Der Streit von Kriemhild und Brunhilde vorm Wormser Dom und der weibliche Blick auf die Handlung stehen im Mittelpunkt. Nach Luther werde es wieder die Nibelungen am Wormser Dom geben. Die Sage biete „noch jede Menge Stoffvorrat“.