"Krimifestival Gießen": Mord bei der Wahl zur Hessenkönigin

Zu Gast in Laubach: Tim Frühlings Krimi spielt auf dem Hessentag. Foto: Zielinski

Autor Tim Frühling beeindruckt beim "Krimifestival" in Laubach mit Charme, Wortwitz und einer fesselnden Geschichte über den Mord bei der Wahl zur Hessenkönigin.

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LAUBACH. "Im Rhein-Main-Gebiet gab es schon viele Ermittler, deshalb habe ich mit Daniel Rohde einen Kriminaloberkommissar aus Bad Hersfeld erfunden", schildert Tim Frühling die Entstehungsgeschichte seines Romanhelden. Mit "Hessentagtod", der eigentlich "Hessentagstod" heißen sollte, bevor das "s" dem Wunsch des Verlags zum Opfer fiel, stellte der sympathische HR-Moderator während des "Krimifestivals" seinen vierten Kriminalroman vor. Die 70 Zuhörer im Laubacher Rathaussaal zeigten sich begeistert von der intelligent aufgebauten, spannenden Geschichte, bei der es an Humor nicht mangelte. Vor sieben Jahren habe er seinen Protagonisten erdacht, erzählte Frühling. Inspiriert worden sei er dazu durch die Romane von Dietrich Faber.

Während Kommissar Rohde im ersten Band auf Fuerteventura ermittelt, ereignet sich in "Hessentagtod" der Mord direkt in seiner Heimatstadt. Als Kulisse seines fiktiven Romans hat Tim Frühling den Hessentag gewählt, dessen Ausrichter 2019 tatsächlich Bad Hersfeld war. Im Mittelpunkt steht die Wahl zur Hessenkönigin, die den Höhepunkt beim Fest der Hessen bilden soll und von einem übereifrigen Eventbeauftragten initiiert wurde.

Sechs junge Frauen kämpfen um diese Trophäe, doch eine von ihnen wird dabei ihr Leben lassen müssen. Ob das nun die ehrgeizige, aber boshafte Kronberger Burgenkönigin Benita Manthey, die adrette Ockstädter Kirschenkönigin Özlem Yesilcay, die kumpelhafte und gemütliche Eschweger Ahle-Wurscht-Königin Yvonne Herold, die urhessische Hanauer Grimm-Prinzessin Samira Spindler, die blasse Fritzlarer Sauerkrautkönigin Ursel Bohl oder die aus Heuchelheim stammende, intelligente Mittelhessische Apfelweinkönigin ist, verriet der Autor natürlich nicht.

Nur so viel: Der hessische Ministerpräsident versucht noch, helfend einzugreifen, als die junge Frau auf einem Festwagen während des traditionellen Umzugs tot zusammenbricht. Damit beginnt der Roman und rollt dann die fesselnde Geschichte von hinten auf. Denn erst nach dem Tod der Unbekannten lernt der Zuhörer die einzelnen Akteure näher kennen.

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Schnell stellt sich heraus, dass nicht alle Kandidatinnen Freundinnen waren - im Gegenteil: "Schon zwei Stunden nach dem Kennenlernen war die Luft dick", heißt es. Besonders die arrogante Benita kann ihre Konkurrentin Özlem, die sich mit den Worten "Fürs höchste Amt die schönste Frau, halb Orient, halb Wetterau" präsentiert, nicht ausstehen.

Die Situation droht zu eskalieren, als ausgerechnet diese beiden Frauen beim "Hessenquiz" im HR-Fernsehen zusammenspielen müssen. "Die Integration ist nicht gelungen, wenn man nicht mal sieben deutsche Weinsorten kennt. Sieben Döner-Zutaten hätte sie gewusst", kommentiert Benita bösartig. Doch nicht nur die Konkurrentinnen könnten hinter dem Mord stecken, auch eine vierköpfige Feministinnengruppe aus Marburg scheint über ihr Ziel, die Wahl zu boykottieren, hinausgeschossen zu sein. "Unser Gemotze gegen Euer Geklotze" skandieren sie und beschließen, die Wahl zur Hessenkönigin "auf ihrem Höhepunkt zu torpedieren".

Und schließlich erhalten auch noch drei der Königinnen Erpresserbriefe. "Pass' auf, Du Schlampe, ich weiß, womit Du Dein Geld verdienst", ist in einem davon zu lesen. Unterschrieben sind alle mit "Achim". Wer dieser ominöse Absender ist, ließ Tim Frühling ebenfalls offen.

Immer wieder suchte der Autor den Dialog mit dem Publikum. So auch, als eine Zuhörerin nicht wusste, was "Attitüde" bedeutet. "Das habe ich mal bei Bruce aufgeschnappt", meinte er lachend. Erklären könne er das aber auch nicht. Insgesamt beeindruckte der Autor nicht nur durch Charme, Wortwitz und komödiantischen Einlagen, sondern auch mit einer interessanten Story, auf deren Ende die Leserinnen und Leser gespannt sein dürfen.

Von Petra Zielinski