Internationaler Hochhaus-Preis geht nach Schweden

Die schwedischen Türme erinnern an Legobauten. Foto: Anders Bobert

Die Frankfurter Wohntürme hatten keine Chance gegen die Zwillingstürme aus Stockholm und dennoch: Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt stellt alle nominierten Projekte vor.

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FRANKFURT. Ina Hartwig hat recht, die Zwillingstürme erinnern aus der Ferne an Legobauten. Aber das ist derzeit kaum zu überprüfen, denn die Türme „Norra Tornen“, die jetzt den Internationalen Hochhaus-Preis 2020 erhalten haben, stehen in Stockholm – und das ist in Pandemie-Zeiten arg weit weg. Doch die Frankfurter Kulturdezernentin Hartwig sieht die Wohntürme auch als gutes Beispiel für die schwedische Gesellschaft, die viel Wert auf Offenheit und Gleichheit legt.

Die schwedischen Türme erinnern an Legobauten. Foto: Anders Bobert

Jede Wohnung in den seitlich leicht abgetreppten Türmen hat einen Balkon und riesige Fenster, die in den langen und dunklen Wintern zumindest etwas mehr Tageslicht bringen. Der mit 125 Metern für ein Hochhaus relativ niedrige Doppelbau bildet ein Tor zwischen dem Stadtteil aus den 1930er-Jahren und dem neuen Baugebiet, das dreimal so groß wie die Altstadt ist. Die Türme verströmen durch die breit gerahmten Module aus vorgefertigten Teilen einen markanten, fast strengen Eindruck, der an Beton-Bauten der 60er erinnert. Diese Bauweise nennt man brutalistisch, wurde doch damals der rohe Beton bewusst zur Gestaltung eingesetzt. Aber das Projekt des Rotterdamer Büros OMA punktet auch in Sachen Nachhaltigkeit, vor allem mit einer energieeffizienten Sandwich-Fassade und mit einer natürlichen Belüftungsweise. Die kantigen Türme entworfen hat freilich nicht Rem Koolhaas, der bekannteste OMA-Architekt, sondern sein langjähriger Partner Reinier de Graaf.

Der preisgekrönte Bau ist mehr Skulptur als Wohnhaus, er steht für „eine zeitgemäße und zukunftsfähige Vision einer Großstadt“, meint Peter Schmal, Chef des Frankfurter Architekturmuseums (DAM). Im DAM sind die 31 Projekte, die es aus 1000 Nominierungen in die Endrunde geschafft haben, voraussichtlich wieder ab 1. Dezember zu besichtigen. Doch die virtuelle Preisverleihung ist über den Youtube-Kanal des DAM zu sehen; das englischsprachige Video stellt neben dem Gewinner auch die fünf Finalisten vor.

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Aber Hartwig wird etwas enttäuscht sein. Denn unter die Finalisten hatte es ein Frankfurter Projekt geschafft, der 190 Meter hohe „Omniturm“ im Bankenviertel, das erste deutsche Hochhaus mit gemischter Nutzung von Büros, Wohnungen und öffentlichen Flächen. Mit leichtem „Hüftschwung“ verschob der Däne Bjarke Ingels die Etagen mit den 144 Wohnungen etwas nach außen. Der „tanzende Turm“ sieht gut aus, doch die groß gepriesene Nutzungsmischung ist in anderen Ländern längst üblich, die Glasfassade eher klassisch, das Tragwerk nicht innovativ, und die Balkone haben Mängel. So hatte der Frankfurter Turm keine großen Chancen, obwohl er mehr Charme besitzt als das Stockholmer Doppelpack. Chancenlos war auch der „Grand Tower“, der zweite Frankfurter (Wohn)-Turm, der nur in die Endrunde kam.

Erstaunlich ist es ohnehin, dass der alle zwei Jahre verliehene, mit 50 000 Euro dotierte Preis wieder in Europa geblieben ist. Die 31 Projekte stehen zwar in 14 Ländern, aber Asien ist allein mit vierzehn Projekten vertreten. Die einst tonangebenden USA sind nur noch gleichauf mit Europa (je sechs); dafür wurde nun erstmals ein Hochhaus auf dem afrikanischen Kontinent nominiert.