Gefährliche Beleidigte

Caroline Fourest setzt sich in ihrem Buch "Generation Beleidigt" kritisch mit der wachsenden Gruppe der Linksidentitären auseinander.

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. Verstreute Kirschblüten auf dem Tisch, Kinder in Kimonos, Stäbchen anstelle von Besteck, Geisha-Schminke. Im November 2012 plante eine amerikanische Mutter einen "Motto"-Kindergeburtstag. Thema: Japan. Der Fehler: Sie stellte die Bilder der Party ins Netz. Und erntete einen Shitstorm. Vorwurf: Sie habe sich der "kulturellen Aneignung" schuldig gemacht, von den Attackierern als "Yellow-Facing" bezeichnet, als Rassendiskriminierung beim Kindergeburtstag.

Das Beispiel, das Caroline Fourest zur Einleitung ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der wachsenden Gruppe der Linksidentitären nennt, könnte klarer nicht vor Augen führen, welche Gefahren von den die "Political Correctness" vor sich her tragenden sogenannten Linken ausgeht. Dass Fourest nicht aus der konservativen oder rechtspopulistischen Ecke kommt, sondern sich der 68er-Tradition verpflichtet fühlt, einem "Antirassismus, der eine Gleichbehandlung im Namen des Universalismus propagiert" und sich klar gegen einen Antirassismus positioniert, "der eine besondere Behandlung im Namen der Identität einfordert", macht das Buch umso glaubwürdiger. An vielen Beispielen belegt die Französin den wachsenden Einfluss dieser "von der Sprach- zur Gedankenpolizei" sich hinbewegenden fundamentalistischen Linken, die den Rechten das Wasser für deren populistische Abgrenzungen auf die Mühlen schaufelt. Die Linksidentitären sind zu einer Meute von Inquisitoren geworden, die die Aufklärung, Universitäten und alle auf Dialog ausgerichteten demokratischen Strukturen bedrohen. Naturgemäß wendet sich die Autorin gegen "Black Facing", das in den USA schon lange ein diskriminierendes Element darstellt. Jene Adaption des weißen Schauspielers, der sich als "Mohr" schminkt, um dessen vermeintliche Eigenschaften veralbernd darzustellen. Aber Fourest warnt genauso, dass die sich in ihren sozialen Blasen gegenseitig bestätigenden Linksidentitären keinen Rassismus verhindern werden. Ihr selbstgerechter Furor führe im Gegenteil zur weiteren Spaltung der Gesellschaft. Schon gibt es in Kanada Communities, die Weißen Yoga verbieten wollen, weil auch das kulturelle Aneignung bedeute. Die Linksidentitären mit ihren Sprachbereinigungen für Kunst und Literatur, ihrer Fokussierung auf kulturelle Aneignung und Bevormundung Andersdenkender sind, so schließt man, dem Faschismus nahe. Fourest nennt sie zurecht "Generation Beleidigt", denn es ist nicht viel mehr dahinter, als Selbstbespiegelung und eine PC-Fixierung, die nicht den Opfern dient, sondern nur dem eigenen Ego gilt.

Caroline Fourest: Generation Beleidigt. 145 Seiten. 18 Euro. Edition Tiamat.