DVD-Tipp: Starke Protagonistinnen im Vordergrund

In den Regie-Debüts „Archive“, „Swallow“ und „The Assistant“ geht es um Obsession, Zwangsstörung und Sexismus.

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. In einer nahen Zukunft arbeitet der Wissenschaftler George (Theo James) abgeschottet in einem Hochsicherheitslabor an der Perfektionierung Künstlicher Intelligenz. Kurz zuvor ist seine Frau (Stacy Martin) ums Leben gekommen, weswegen er nun obsessiv deren Wiederbelebung als Roboter anstrebt. Durch zwei ältere Prototypen mit niedrigerer Intelligenz hat er sich eine Art Ersatzfamilie mit Robo-Kleinkind und -Teenagerin geschaffen. Als die verbesserte dritte Version mit stark humanoiden Zügen hinzukommt, entstehen unerwartete Spannungen zwischen den Figuren.

Bei Gavin Rotherys Regie-Debüt „Archive“ (Euro Video) grüßen aus der Ferne „Ex Machina“ und die Serie „Westworld“, sofern es um die Gefühlswelten der künstlichen Wesen geht. Doch das kammerspielartige SciFi-Psychodrama hat noch eine weitere Ebene, die mit einer Technik zur limitierten Konservierung des Bewusstseins Verstorbener zu tun hat, die der Forscher mit seinen Schöpfungen kombiniert. Dadurch kommen nicht nur zusätzliche Assoziationen zu „Frankenstein“ und anderen „Mad Scientist“-Filmen auf, sondern es ist auch der entscheidende Baustein für eine überraschende Wendung, die den Fokus vom Wissenschaftler auf die weiblichen Protagonisten umlenkt.

Die Hauptfigur in Carlo Mirabella-Davis‘ verstörendem Psychodrama „Swallow“ (Koch Media) ist zwar kein Roboter, verleibt sich aber trotzdem regelmäßig Gegenstände ein. Zum Beispiel eine Murmel, eine Reißzwecke und eine Batterie. Die frisch mit einem reichen Firmenchef (Austin Stowell) verheiratete Hunter (Haley Bennett) führt ein luxuriöses Leben in einem topmodern eingerichteten Eigenheim und erwartet ein Kind. Doch ihr Ehemann ist kaum zuhause und interessiert sich nicht wirklich für seine Angetraute.

Aus Langeweile und Frust entwickelt Hunter eines Tages die Zwangsstörung, Dinge zu schlucken, denn danach fühlt sie sich besser. Als das abnormale Verhalten bemerkt wird und die junge Frau in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden soll, flieht sie und macht sich auf die Suche nach ihrem unbekannten Vater, um ein unbewältigtes Trauma aufzuarbeiten. Es ist für Hunter der erste Schritt in ein selbstbestimmtes, psychosefreies Leben außerhalb einer patriarchal geprägten Kultur.

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In einer solchen bewegt sich auch die junge Sekretärin Jane (Julia Garner) in „The Assistant“ (Ascot Elite). Denn während die unauffällige Bürokraft täglich Überstunden macht, um Termine zu organisieren und Schriftsachen zu erledigen, bekommt sie ihren Boss, einen Film-Mogul eines florierenden New Yorker Independent-Studios, nie zu sehen. Stattdessen muss sie ihm immer nur hinterherräumen, seine Frau am Telefon besänftigen und sich bei ihm für kompetenzüberschreitende Bemerkungen entschuldigen. In den Bürogängen herrscht eine schweigsame Atmosphäre der Angst.

Irgendwann wird Jane klar, dass die jungen Schauspielerinnen, die stundenlang im Büro des Chefs verschwinden oder sich mit ihm in Hotelzimmern treffen, zu sexuellen Handlungen genötigt werden. Als sie ihre Vermutungen an offizieller Stelle kundtut, wird ihr die Frage gestellt, ob sie gerne ihren Job behalten möchte. Danach heißt es noch lapidar, sie solle froh sein, denn sie sei „nicht sein Typ“. Als sie frustriert ins Büro zurückkehrt, macht sie ihr Vorgesetzter gleich telefonisch nieder – der Personalabteilungsleiter hat ihn bereits informiert.

Machenschaften von Harvey Weinstein

Es wird zwar nie ausgesprochen, aber es ist klar, dass es beim Spielfilm-Debüt der australischen Regisseurin Kitty Green um die Machenschaften von Harvey Weinstein geht, der seine Machtposition schamlos ausnutzte. Dabei wird unmissverständlich herausgearbeitet, dass das Ganze nur funktionieren konnte, weil hier Sexismus integrativer Bestandteil eines repressiven Systems war.