DVD-Tipp: "Schlaf", Every Time I Die" und "Boss Level"

Mutter und Tochter (Sandra Hüller, links, und Gro Swantje Kohlhof) sind in "Schlaf" aufeinander angewiesen. Foto: Salzgeber

In dem Horror-Heimatfilm, dem Mystery-Thriller und der Actionkomödie leiden die Protagonisten auf sehr unterschiedliche Weise an Persönlichkeitsverlust.

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. Sich wiederholende Albträume mit drei Suiziden in einem Hotel machen der alleinerziehenden Marlene (Sandra Hüller) das Leben schwer. Ihre Teenager-Tochter Mona (Gro Swantje Kohlhof) ist dabei die einzige Stütze. Als die geplagte Mutter eines Tages in einem Werbeprospekt das Gasthaus auf einem Foto zu erkennen glaubt, begibt sie sich kurzerhand in das Dorf Stainbach im Harz, wo sie die Ursache für ihre Probleme zu finden hofft.

Im Hotel "Sonnenhügel" - ein leer stehendes Gebäude-Labyrinth mit dunkler Vergangenheit wie in "Shining" - herrscht der feiste Patriarch Otto (August Schmölzer), der mit rechtspopulistischen Auftritten Bürgermeister werden will. Doch bevor Marlene ihre Recherche-Tour ausweiten kann, verfällt sie bei wachem Bewusstsein in einen unerklärlichen Starrezustand. Mona bleibt es daher vorbehalten, die mysteriösen Zusammenhänge auf eigene Faust zu ergründen.

Im Kino 2020 Pandemie-bedingt nur kurz gelaufen, ist "Schlaf" (Salzgeber Medien, auch als VoD), das Spielfilm-Debüt von Michael Venus, unverdient schnell in der Versenkung verschwunden. Dabei handelt es sich um eine seltene Perle deutschen Genre-Filmschaffens, denn die düstere Geschichte über verdrängte Familien-Geheimnisse ist ein höchst politischer Horror-Heimatfilm, wie man ihn eher aus Österreich erwartet hätte. Und weil es dabei auch noch um Rassismus, Nationalsozialismus und rechtsextreme Umtriebe geht, könnte das Ganze aktueller nicht sein. Trotzdem bleibt der Film dem Horror-Genre eng verhaftet, indem er einen Fluch ins Zentrum stellt und am Ende auch mit übersinnlichen Phänomenen aufwartet. Dadurch wirkt er wie eine deutsche Außenstelle aus David Lynchs dunklem Universum.

Der Rettungssanitäter Sam (Drew Fonteiro) hat immer wieder Blackouts und findet sich an Orten wieder, ohne sich daran erinnern zu können, wie er dort hingekommen ist. Gleichzeitig plagen ihn Albträume aus seiner Kindheit über seine kleine Schwester, die damals in einem See ertrunken ist. Als Sam mit vier Freunden in ein Ferienhaus fährt, kommt er dort gewaltsam zu Tode, muss aber bald feststellen, in einem anderen Körper wieder aufzuwachen. Und es bleibt nicht der einzige Vorfall dieser Art. Der Mystery-Thriller "Every Time I Die" (WVG Medien, auch als VoD) von Robi Michael treibt ein raffiniertes Spiel mit Identitätsfragen und übersinnlichen Elementen, das zunehmend rätselhafter wird, um mit einem überraschenden Paukenschlag zu enden.

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Der Ex-Elitesoldat Roy (Frank Grillo) wacht in "Boss Level" (Universum, auch als VoD) von Joe Carnahan ("Das A-Team - Der Film") zwar jeden Morgen in seinem Bett auf. Allerdings nur, um kurz danach von einem Hubschrauber aus erschossen oder von Auftragskillern umgebracht zu werden. Er kann also nur versuchen, den Tag möglichst lange zu überleben, um möglichst viel über die Zeitschleife, in der er steckt, und die Umstände, die ihn dort hineingebracht haben, herauszufinden.

Nach etwa 200 Tagen weiß er, dass er es seiner Ex-Frau (Naomi Watts) und deren Chef (Mel Gibson) zu verdanken hat. Nun muss er nur das Ganze wieder irgendwie rückgängig machen, wobei ihm seine Fertigkeiten aus Special-Forces-Zeiten sehr helfen. Der Film ist eine krude, aber sehr unterhaltsame Genre-Mischung aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" und "Guns Akimbo", in der brutale Action auf ironische Off-Kommentierung trifft.