DVD-Premieren: Gefangen im Labyrinth der Vorstadt

Tom (Jesse Eisenberg) und Gemma  (Imogen Poots) in „Vivarium“ mit ihrem per Post zugestellten Kind. Foto: Concorde

Drei sehenswerte Filme zwischen Thriller, Mystery und Superhelden-Drama: "I see you", "Vivarium" und "Gundala"

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. In einer amerikanischen Kleinstadt verschwindet ein Junge auf die gleiche Weise wie bei zwei Vorfällen vor zehn Jahren. Derweilen geschehen im Haus des Ermittlers Greg Harper (Jon Tenney) seltsame Dinge, die auf etwas Übersinnliches hindeuten.

Dass jedoch kein Geist sein Unwesen mit der Familie des Polizisten treibt - Oscar-Gewinnerin Helen Hunt spielt die Ehefrau, Judah Lewis den Teenager-Sohn -, zeigt ein radikaler Perspektivwechsel nach dem ersten Drittel des Films, der sich zwei Eindringlingen widmet, die sich tagelang in dem Haus verstecken. Was die beiden Seiten der Geschichte verbindet und was das alles mit der Vergangenheit und den verschwundenen Kindern zu tun hat, entblättert sich in Adam Randalls Thriller "I see you" (Capelight) sehr spannend und überaus wendungsreich im letzten Drittel. Es ist eine düstere Reise in die Abgründe einer dysfunktionalen Familie, bei der es letztlich um Rache und Trauma-Bewältigung geht.

Mit einem zunächst unerklärlichen Phänomen bekommen es auch Tom (Jesse Eisenberg) und Gemma (Imogen Poots) in "Vivarium" (Concorde)zu tun. Das junge Paar interessiert sich für ein Haus in einer Neubau-Siedlung und macht sich auf zu einer Besichtigung einer Immobilie. Als die beiden wieder zurückfahren wollen, müssen sie allerdings feststellen, dass jeder Weg, den sie einschlagen, sie immer wieder bei dem besichtigten Haus ankommen lässt und sie sich in einer Art Labyrinth befinden, aus dem es kein Entkommen mehr gibt: In dem seltsam künstlich und steril wirkenden Vorstadt-Viertel sieht jedes Haus und jede Straße exakt gleich aus.

Also übernachten Tom und Gemma notgedrungen erstmal dort. Nachdem sich die Situation aber nicht ändert, fügen sie sich in ihr Schicksal, und es vergehen Jahre. Das Essen und gewisse Alltagsgegenstände werden von irgendjemandem geliefert. Per Paket bekommt das Paar schließlich auch ein Baby. Mit zunehmendem Alter wird der Junge immer verhaltensauffälliger, und als Erwachsener scheint der Zögling (Eanna Hardwicke) definitiv mehr über die Situation zu wissen als die Eltern. Die Dinge eskalieren, und es kommt zu einem Desaster.

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Der irische Regisseur Lorcan Finnegan hat einen absurden SciFi-Mystery-Thriller mit der Anmutung einer klaustrophobischen Psycho-Spielanordnung geschaffen. Manchmal ist das auf bizarre Art witzig, in letzter Konsequenz aber sehr fatalistisch.

Der Superheld "Gundala" (Koch Films) ist seit den sechziger Jahren fest in der indonesischen Popkultur verankert. Er funktioniert wie ein Akku, nimmt mithilfe einer technisch optimierten Maske Gewitter-Blitze in sich auf und erzeugt aus der Energie Superkräfte, die er kampfsportartig gegen Bösewichte einsetzt. Regisseur Joko Anwar erzählt dessen Geschichte als gesellschaftskritische Biografie und nimmt sich viel Zeit, um die bitteren Erfahrungen der Titelfigur als elternloses Straßenkind (Muzakki Ramdhan) in Jakarta aufzuzeigen. Als Opfer von macht- und geldhungrigen Industriellen stellt er sich schließlich als junger Mann (Abimana Aryasatya) auf die Seite des Proletariats und bekämpft Ungerechtigkeit, Korruption und Kriminalität - quasi aus der Gosse heraus.

Die auf westliche Zuschauer exotisch wirkenden indonesischen Schauplätze und die interessant choreografierten Kampfsequenzen machen den speziellen Reiz dieses Actiondramas aus, mit dem das Superhelden-Genre um eine asiatische Variante bereichert wird. Einige Fortsetzungen sollen folgen.