Alte Oper Frankfurt plant auf Sicht

Einsatz fürs Neue: Der künftige Intendant Markus Fein hat seine erste Planung für die Alte Oper Frankfurt vorgestellt. Foto: dpa

Für seinen Start als Intendant der Alten Oper Frankfurt musste Markus Fein das Eröffnungsprogramm gründlich umplanen – eine Gelegenheit, die eigene Handschrift zu zeigen.

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FRANKFURT. Markus Fein spricht nicht gerne über das Verpasste. Gewiss, man könnte im dicken Programmbuch der Alten Oper Frankfurt nachschlagen und wehmütig ankreuzen, welche schönen Pläne für die Eröffnung der Saison beerdigt werden mussten. Aber der designierte Intendant des Konzert- und Kongresshauses, der offiziell am 1. September die Nachfolge von Stephan Pauly antritt, will zeigen, welche Kreativität in dem großen Betrieb entfacht werden kann. Es schaut sogar so aus, als könne er durch die Not, das Programm umplanen zu müssen, seine Handschrift in Frankfurt noch schneller spürbar werden lassen. Ganz am Anfang steht am 6. September ein Festivaltag mit den Debüt-Auftritten junger Künstler, die schon auf sich aufmerksam gemacht haben wie der Bariton Benjamin Appl oder das „Ensemble Reflektor“. Es wird halbstündige Mittagspausen-Konzerte geben, wie sie an anderen Häusern erfolgreich angeboten werden, und programmatisch lässt sich der Titel eines Doppelabends am 24. September verstehen, der Klassik und Jazz zusammenbringt auf der „Bühne für Frankfurt“. Das Haus, sagt Fein, soll sich mit einem weiten Kulturbegriff noch entschiedener der Stadt und ihren unterschiedlichen Zielgruppen öffnen.

Der künftige Intendant plant auf Sicht, bis Ende Oktober hat er rund 70 Konzerte im Angebot, aktuell ist er in Gesprächen für die Monate danach. Als großes Veranstaltungshaus hat die Alte Oper Erfahrung mit der lenkenden Betreuung großer Besuchergruppen, das Hygienekonzept ist so ausgeklügelt, dass die Gäste sich wohlfühlen sollen. Einwegreglungen, Maskenpflicht bis zum Sitzplatz, keine Pausen, keine Gastronomie – das ist der aktuelle Standard für Konzert und Theater. Die Alte Oper gewährleistet die Abstände durch eine komplett umgebaute Bestuhlung. 600 Besucher haben so im Großen Saal Platz, ein Viertel der üblichen Kapazität. Im Mozartsaal sind es 200. Das schmälert auch die Einnahmen. Aber die Künstler sind in ihren Honorarforderungen offenbar entgegengekommen, Fein spricht vom „partnerschaftlichen Dialog“ mit Agenturen und „flexibel mitatmenden Künstlerverträgen“.

Auf der Bühne dürfen, je nach Besetzung, bis zu 50 Orchestermusiker gemeinsam arbeiten. Das reicht immerhin für die Münchner Philharmoniker und ihren Chefdirigenten Valery Gergiev, die am 27. September mit Schuberts „Unvollendeter“ und dem Mendelssohn-Violinkonzert nach Frankfurt kommen. Überhaupt sollen internationale Spitzenorchester ihren festen Platz im Programm behalten, auch Stars wie Maurizio Pollini (5. Oktober) treten auf. Aber Fein hat gleich auch experimentelle Formate in den ersten Programmwochen untergebracht – die erste komplette Aufführung eines Hölderlin-Zyklus von Hans Zender etwa oder ein ganzer Tag der Monologe, an dem Christian Tetzlaff (Violine) und Daniel Müller-Schott (Cello) sich mit dem Schauspieler Ulrich Matthes verbünden, um Musik für Soloinstrumente mit großen Monologen in Beziehung zu setzen. „Kunst, die aufs Ganze geht“, freut sich Fein, der nach all den digitalen Ersatzformaten sicher ist: „Das althergebrachte Konzert wird der große Gewinner dieser Krise sein.“