Topfit auf dem Land

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Leitmayr (Udo Wachtveitl, l.) und Batic (Miroslav Nemec) stehen vor verschlossener Tür.  Foto: BR/Hendrik Heiden/ Claussen+Putz Filmproduktion GmbH

Zwölf Hektar. Ein Hof am Rande eines niederbayerischen Dorfes nahe der tschechischen Grenze: "Freiland". Bewohnt von einer Gruppe aus Reichsbürgern, die weder die...

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. Von Conny Schneider

Zwölf Hektar. Ein Hof am Rande eines niederbayerischen Dorfes nahe der tschechischen Grenze: "Freiland". Bewohnt von einer Gruppe aus Reichsbürgern, die weder die Bundesrepublik Deutschland noch ihre Gesetzgebung anerkennen.

Dorthin verschlägt es die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). Denn ein abtrünniger Freiländer ist in München tot aufgefunden worden. In ihrer Funktion als Polizisten werden die beiden Ermittler dort drauß;en nicht ernst genommen. Während Batic mit ungewohnt nüchterner Sachlichkeit der offenen Feindseligkeit begegnet, ist es diesmal Leitmayr, der sich von dem schrägen Szenario mehrfach provozieren lässt: "Wir können doch nicht zusehen, wie die sich hier eine Welt aufbauen, in der Fakten überhaupt keine Rolle spielen."

Gerechtigkeit und Anerkennung – das ist es, wonach die Menschen suchen, die sich der Gruppierung angeschlossen haben. Eloquenter Anführer der Gemeinschaft ist Ludwig Schneider (Andreas Döhler). "König Ludwig", wie ihn die ebenso hilf- wie tatenlose Dorfpolizei nennt. Schneiders ikonenhafter Status wird dabei grandios auf bildhafter Ebene umgesetzt – etwa durch eine Kameraeinstellung, die an Jesus' letztes Abendmahl mit seinen Jüngern erinnert.

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Der "Tatort" "Freies Land" enthält unzählige kleine Feinheiten, die Regisseur Andreas Kleinert hervorragend in Szene gesetzt hat. Grotesk, befremdlich und vor allem sehenswert. "Wir zwei auß;erhalb des Münchener S-Bahn-Bereichs" – Batic und Leitmayr in Spitzenform.