Starkes Sozialdrama ohne Spannung

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Lena Odenthal (rechts, Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) fragen sich, ob der erschossene Wirt Hans Schilling wohl jemandem allzu massiv auf die Füße getreten war. Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg

Kneipenwirt Hans Schilling wird erschossen. Der junge Samir findet den Toten - seinen Angaben zufolge direkt nach dem Schuss, der Polizei-Notruf erfolgt jedoch erst zehn Minuten...

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. Da ist zum einen Samirs vorbestrafter Bruder, zum anderen das junge Pärchen Leon (Michelangelo Fortuzzi) und Vanessa (Lena Urzendowsky). Die beiden Jugendlichen werden aufgrund ihrer Unzertrennlichkeit spöttisch als „Leonessa“ bezeichnet, als „Brangelina für Arme“. Beide arbeitslos, aber beide im Besitz von ungewöhnlich viel Geld.

Der Ludwigshafener Tatort „Leonessa“ unter Regie von Conny Walther präsentiert sich als Sozialdrama mit Krimielementen. Die Kneipe mitten im sozialschwachen Milieu ist Anlaufstelle für gescheiterte Existenzen, die Eltern der Jugendlichen sind teilnahmslos und zugedröhnt. „Es ist, wie es ist.“ Resignation und Hoffnungslosigkeit in geballter Form. Dazu zwei Kommissarinnen, die mit der Vorgehensweise der anderen alles andere als einverstanden sind, was zu ständigen Zerwürfnissen führt – bis hin zu einem Wutanfall Odenthals, die ihre Kollegin frustriert mit einem Apfel bewirft.

Einen stimmigen filmtechnischen Rahmen bieten Anfang und Ende, die die ansonsten sachlich-nüchtern angelegte Kameraarbeit mit Schwarz-Weiß- und Slowmotion-Komponenten durchbrechen. Große Kunst ist auch die authentische Spielweise der Jungschauspieler. Was jedoch eindeutig fehlt: Spannung. Ein bisschen mehr Fall statt Fallstudie hätte diesem SWR-Tatort gut getan. (Conny Holtfoth)

Das Erste zeigt den "Tatort: Leonessa" am Sonntag, 8. März, um 20.15 Uhr.