Spannende Sozialstudie ganz "unten"

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) ermitteln unter Obdachlosen. Foto: ORF/Superfilm/Philipp Brozsek

Die Wiener Kommissare Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zieht es im neuesten Fall nach unten. Und so heißt der "Tatort" aus Österreichs...

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. Für Fellner und Eisner sieht alles zuerst nach einer Tat im Obdachlosenmilieu aus, doch die Sache ist komplizierter: Fellner kannte den Mann. Gregor Aigner (Jonathan Fetka) war einstmals einer ihrer Informanten, den sie irgendwann jedoch abservierte, weil er nicht mehr liefern konnte, was sie brauchte. Sein Tod bestürzt sie nicht nur, sondern besorgt sie auch – denn der Tote hatte sie wenige Tage vor seinem Ableben aufgesucht, sie ihn aber abgewiesen.

Die Spuren führen die beiden Ermittler ins Obdachlosenheim "Lebensraum", in dem Gregor lange Zeit gemeldet war. Heimleiter Zanger (Michael Pink) kannte Gregor Aigner ebenfalls schon lange und vermutet ebenso wie die ärztliche Leiterin des Heims eine Drogengeschichte hinter dem Verbrechen. Von Aigners Ex-Frau (Bettina Ratschew) erfahren Moritz und Bibi schließlich die traurige Geschichte, warum der frühere Journalist nacheinander den Job, die Frau und schließlich seine gesamte Existenz verlor. Langsam verdichten sich die Hinweise, dass Gregor Aigner, der sich selbst trotz seiner prekären Lage noch immer als Investigativ-Journalist sah, anscheinend einer großen Sache auf der Spur war.

Was nach einer verworrenen, komplizierten Handlung klingt, ist so verwirrend gar nicht. "Unten" ist ein spannender, unterhaltsamer Krimi, der sich als Art Sozialstudie mit den Menschen am Rand der Gesellschaft beschäftigt, ohne dabei altbekannte Klischees zu bedienen. Ja – die Stimmung ist ernst und getragen, eine ungewöhnliche Mischung für den Wiener "Tatort", der üblicherweise auch vom Humor seiner Hauptcharaktere lebt. Doch dieser wäre in "Unten" fehl am Platz.

Dass das Erste nun schon den dritten Wiener "Tatort" seit September zeigt, ist allerdings eine unglückliche Programmplanung. Alle drei Filme stehen für sich und sind so unterschiedlich nuanciert, dass sie auch unabhängig voneinander betrachtet werden sollten – das ist allerdings bei so einer extremen Sendedichte fast nicht möglich. Und so kommt es, dass "Unten" in der Reihe aller drei Wiener Filme nicht die Spitzenposition einnehmen wird. Unterm Strich steht aber trotzdem ein Krimi, der diesen Titel verdient hat. Regie, Kamera, Cinematographie: Alles ist stimmig. Und Krassnitzer und Neuhauser enttäuschen ohnehin nie so richtig. Schade ist allerdings: Es ist der letzte Film mit Sidekick "Fredo" (Thomas Stipsits). (Kirsten Ohlwein)

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Das Erste zeigt den "Tatort: Unten" am Sonntag, 20. Dezember, um 20.15 Uhr.