"Sieben Tage in Entebbe"

Salon-Revoluzzer und Fanatikerin: Daniel Brühl und Rosamunde Pike als deutsche Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann. Foto: Entertainment One  Foto: Entertainment One

Daniel Brühl und Rosamunde Pike spielen in dem sehr schematisch aufgebauten Film zwei deutsche Terroristen. Der Thriller zeigt die dunklen Seiten von Entebbe und Israel auf und...

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. Es war eines der Kommando-Unternehmen, die den Nimbus der israelischen Wehrhaftigkeit begründeten: Am 4. Juli 1976 befreite eine Sondereinheit auf dem Flughafen von Entebbe in Uganda über hundert Geiseln aus der Hand arabischer und deutscher Terroristen – 4000 Kilometer von der Heimat entfernt und trotz des Widerstandes des ugandischen Militärs.

Der Brasilianer José Padilha hat die historischen Ereignisse im Politthriller „Sieben Tage in Entebbe“ ausgebreitet und zeigt dabei auch: Es war einer der Terrorakte, die das Selbstverständnis der politischen Linken infrage stellten, denn es waren die deutschen Entführer Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, die unter den 258 Menschen an Bord eine Selektion vornahmen: Wer jüdisch war oder so wirkte, wurde von jenen Anderen getrennt, die später freikamen. Da wirken dann die Mitglieder der Revolutionären Zellen im Terminal von Entebbe wie Nazis an der Auschwitz-Rampe.

Er sei kein Nazi, er sei Idealist, soll der ehemalige Frankfurter Buchhändler Wilfried Böse damals gesagt haben. Und Daniel Brühl bemüht sich, ihn als eher sanften, bisweilen ironischen Salon-Revoluzzer zu zeigen: „Danke, dass Sie Air France fliegen“, grüßt er die Passagiere aus dem Cockpit und wird am Ende, wenn seine Zeit gekommen ist, auch nicht auf sie schießen, sondern sein Schicksal hinnehmen. Zwischendrin aber schwafelt er von den Arabern als sozialistischem Volk. Aber im Grunde ist Böse doch ein Lieber. Brühl ist eben auch ein ganz anderer Typ als etwa Klaus Kinski oder Helmut Berger, die den Terroristen bereits 1976 und 1977 verkörperten. Ein Kombattant von der Volksfront zur Befreiung Palästinas hat denn auch Zweifel, ob der umstürzlerischen Parolen des Deutschen: „Du bist hier, weil Du Dein Land hasst, ich bin hier, weil ich mein Land liebe.“

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Bei Brigitte Kuhlmann hat man an ihrer Motivation hingegen keinen Zweifel. Rosamunde Pike spielt sie als ebenso verblendete wie verbitterte Extremistin, die sich die Schuld daran gibt, dass Ulrike Meinhof verhaftet wurde, Pillen einwirft und in die Decke schießt. Wenn die bleiche Deutsche an einem Flughafentelefon mit ihrem Geliebten daheim redet und sich herausstellt, dass sie in einen toten Hörer spricht, ist dies der eindrucksvollste Augenblick in einem Film, der sonst wenig Eindruck macht, weil Padilha das konventionell aufgebaute Drehbuch von Gregory Burke sehr schematisch verfilmt hat.

Auf der einen Seite zeigt er, wie die Terroristen in Athen mit Waffen und Sprengstoff im Handgepäck unbehelligt an Bord marschieren, wie sie zuvor im Jemen ausgebildet wurden und wie sie von Diktator Idi Amin mit mörderischer Freundlichkeit aufgenommen werden. Auf der anderen Seite bebildert er, wie die „Operation Donnerschlag“ in Israel anläuft, wie Verteidigungsminister Shimon Peres (Eddie Marsan) den Premier Yitzhak Rabin (Lior Ashkenazi) anstachelt und ihm zugleich den Schwarzen Peter zuschiebt, falls das Himmelfahrtskommando in der Hölle endet.

Flankiert sind diese Szenen aus dem Führungsstab durch die Perspektive eines Soldaten, der für den Einsatz trainiert, während seine Freundin bei der Batsheva Dance Company probt, bis die Premiere und die Befreiungsaktion in eins fallen. Der Versuch, dem Thriller damit Stilisierung und Rhythmus zu geben, wirkt allerdings sehr schablonenhaft. Das fängt schon mit dem plakativen Hinweis an, was dem einen ein Terrorist sei, das sei dem anderen der Freiheitskämpfer. Und es endet mit Rabins Bedenken, der Erfolg von Entebbe könne ein Pyrrhus-Sieg sein, denn wie solle es je Frieden geben, wenn Israel immer der Doktrin folge, nie mit den Angreifern zu verhandeln.

„Sieben Tage in Entebbe“ bleibt denn auch holzschnitthaft. Roland Suso Richters Fernsehfilm „Mogadischu“, der 2008 die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahr 1977 zeigte, kann neben diesem Kinofilm jedenfalls gut bestehen. Vor zehn Jahren war es auch, als José Padilha den Goldenen Bären gewann mit „Tropa de Elite“ über eine resolute Spezialeinheit der Polizei in Rio. Doch Kraft und Furor, die er damals entfesselte, sind jetzt nicht mal mehr zu ahnen. Dafür spürt man: Entebbe und Tel Aviv sind weit weg, die Siebziger auch.