Schmerz hält zusammen

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Mutter (Gabriela Maria Schmeide, links) und Tochter  (Gro Swantje Kohlhof, rechts) Althoff sind glücklich, wieder zusammen zu sein. Doch Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) traut ihnen nicht.   Foto: Landsberg/RB

Fast zehn Jahre ist die kleine Fiona Althoff (Gro Swantje Kohlhof) verschwunden, als sie plötzlich bei ihrer Mutter vor der Tür steht: äußerlich unversehrt, innerlich...

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. VON KIRSTEN OHLWEIN

Fast zehn Jahre ist die kleine Fiona Althoff (Gro Swantje Kohlhof) verschwunden, als sie plötzlich bei ihrer Mutter vor der Tür steht: äußerlich unversehrt, innerlich zerrissen. In einer Rückblende erzählt Regisseur Florian Baxmeyer dann im Bremer "Tatort" "Die Wiederkehr", wie die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) damals den Vater des Mädchens in Verdacht hatten, es umgebracht zu haben.

Er war in der Nacht des Verschwindens sturzbetrunken und ohne Erinnerung. Lürsen setzte dem Mann ordentlich zu, dieser hing sich kurz darauf in seiner Zelle auf. Das wundersame Auftauchen der Tochter zehn Jahre später bringt einen Gentest mit sich, der beweist: Es ist Fiona. Der Selbstmord des Vaters macht Lürsen schwer zu schaffen, sie vergräbt sich zunächst in Selbstvorwürfen, bleibt aber skeptisch - und deckt eine unheimliche Familiengeschichte auf.

Baxmeyer ist mit "Die Wiederkehr" ein gruseliger und verstörender Psycho-Thriller gelungen. Im Mittelpunkt stehen die Figuren und ihre Leiden. Der Regisseur erzählt die Geschichte einer Familie, die nur dank einer unbändigen Leidensfähigkeit noch nicht zerbrochen, aber doch so tief zerrüttet ist, dass sie nur noch der Schmerz zusammenhält. Das Ende tut weh und ist überwältigend. Schön, dass sich das Bremer Team nach vielen politischen Themen wieder an einer Charakterstudie abarbeiten darf, die mit wenig Lärm erzählt, wie Tragödien funktionieren und welche Auswirkungen sie haben. In diesen Fällen sind Stedefreund und Lürsen am stärksten. Einschalten lohnt.