Regel oder Gewissen

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Lannert (Richy Müller) will, Lela (Florence Kasumba) in Sicherheit bringen.  Foto: SWR/Johannes Krieg

Von Conny Schneider"23 Menschen sind krepiert, während wir 20 Meter entfernt waren." Es sollte eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Stuttgarter Mordkommissariat und...

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. Von Conny Schneider

"23 Menschen sind krepiert, während wir 20 Meter entfernt waren." Es sollte eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Stuttgarter Mordkommissariat und der Drogenfahndung werden: Ein Laster auf einem Autobahnparkplatz, dessen Observierung zu Milan Kostic führen soll. Mutmaßlicher Mörder und Nachfolger eines Drogenkönigs. Doch die Aktion endet anders als geplant. Kostic taucht nicht auf. Als Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) schließlich den Lastwagen öffnen, entdecken sie darin 23 tote Flüchtlinge. Eingezwängt in den Hohlraum des Wagens. Erstickt.

Geplagt von Schuldgefühlen, nicht schnell genug gehandelt zu haben, begibt sich Lannert an die Verfolgung von Kostic, um an die Schleuser heranzukommen. Dieser hält sich mit seiner Schwester Mitra und der angeschossenen Afrikanerin Lela in einem Flüchtlingsheim versteckt. Lannert selbst wird ebenfalls verletzt bei dem Versuch, Kostic zu stellen. Der Kommissar steht vor der Entscheidung: Entweder verhilft er Kostic und seiner Schwester zur Flucht - oder er riskiert das Leben von weiteren 40 Flüchtlingen, die im nächsten Transport über die Grenze gebracht werden.

"Im gelobten Land", der 18. Fall des Stuttgarter Duos Lannert und Bootz, geht unweigerlich unter die Haut. Als Autor Christian Jeltsch vor zwei Jahren die Idee zur Handlung hatte, "war das Thema Flüchtlinge bei uns leider nur präsent, wenn im Mittelmeer Menschen ertrunken waren", wie er selbst sagt. Im August vergangenen Jahres wurde diese Fiktion bittere Realität, als an der österreichischen Grenze ein Kühllaster mit über 70 Leichen entdeckt wurde.

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Jeltsch und Regisseur Züli Aladag gelingt es in einer spannend-dramatischen Inszenierung, Strukturen von Schleuserbanden sowie deren Selbstverständnis aufzuzeigen: "Wenn wir den Menschen nicht nach Europa helfen, kommen sie auf eigene Faust." Mit Milan Kostic (Sascha Alexander Geršak) zeichnen sie dabei eine vielschichtige Figur: Im jugoslawischen Bürgerkrieg selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen, zeigt er sich heute als schwäbelnder Serbe mit viel krimineller Energie und wenig Skrupel.

Während im vorigen Stuttgarter Fall der Fokus auf die innere Zerrissenheit von Bootz gelegt wurde, schwankt diesmal Lannert zwischen Vorschrift und Gewissen. Bis auf das etwas zu flache Ende ein sehenswerter Film über die Frage nach dem Wert von Menschenleben.

Das Erste zeigt den "Tatort: Im gelobten Land" am Sonntag, 21. Februar, um 20.15 Uhr.