„Peter Hase“

In Nachbars Garten wartet das Paradies. Da ist Peter Hase kein Weg zu beschwerlich.Foto: Sony Pictures  Foto: Sony Pictures

Ästhetisch ist die Verfilmung der Kinderbücher von Beatrix Potter (1866–1943) mit ihrer haarfeinen Überblendung von Trick- und Realfilm perfekt gelungen.

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. Das Paradies liegt für den vorwitzigen Hasenjungen Peter und seine Sippe gleich hinter einer Steinmauer. Es handelt sich um den sorgfältig gehegten Gemüsegarten von Mr. McGregor, einen Ort voll praller Möhren, Tomaten und anderer Leckerbissen, der von dem passionierten Gärtner indes hartnäckig gegen die Raubzüge der Häschen verteidigt wird. Doch nach McGregors plötzlichem Dahinscheiden okkupieren die Wildtiere Garten und Haus, feiern wilde Partys.

Mit der Ankunft von McGregors Großneffe und Erbe Thomas aber ist das tierische dolce vita vorbei. Ordnungsfanatiker Thomas, der das Haus verkaufen will, räumt auf und baut das Anwesen zum Bollwerk gegen Getier aus – heimlich, denn er hat sich in die Malerin Bea von nebenan verguckt, die Häschen total süß findet.

Ästhetisch ist die Verfilmung der Kinderbücher von Beatrix Potter (1866–1943) mit ihrer haarfeinen Überblendung von Trick- und Realfilm perfekt gelungen. Die Hasen, mit Jäckchen und viktorianisch angehauchten Kleidern aufgeputzt, die liebliche englische „countryside“ und fotogene London-Ansichten machen diese Kinderkomödie ähnlich wie vor kurzem „Paddington“ zu einem nostalgisch angehauchten Großbritannien-Werbefilm. Auch die restliche Menagerie mit maliziösem Fuchs-Gentleman, Igeln, Schweinen und Hirschen sorgt für witzige Hingucker.

Erinnern die Tiere optisch an die Vorlage, so ist die Handlung leider so irregeleitet und auf eine so Hollywood-klischeehafte Art grobmotorisch überdreht, dass vermutlich auch Mrs. Potter im Grabe rotiert. Bea (Rose Byrne mal wieder als „ich bin klein, mein Herz ist rein“-Weibchen), die neben grässlichen abstrakten Gemälden Wasserfarben-Porträts von Hasen malt, ist als Verbeugung vor der Autorin gedacht. Doch Beas romantische Hasenhysterie hätte Potter, die auch handfeste Farmerin und Viehzüchterin war, gewiss sehr befremdet – und erst recht die Eifersucht des Hasen auf den verliebten Thomas. Sie dient als Vorwand für einen immer aggressiveren Schlagabtausch im Stile von „Tom und Jerry“, wobei gerade so am Einsatz von Gift und Schrotflinten vorbeigeschrammt wird.

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Im Duell zwischen Mann und Mümmelmann beweist Domhnall Gleeson als verschrobener Thomas viel Sportsgeist, und in der Preview hörte man die lieben Kleinen angesichts des Slapsticks mit Stromschlägen, Sprengstoff und Brombeeren, mit denen der allergische Hausbesitzer traktiert wird, fröhlich juchzen. Beim titelgebenden Hasen aber, der etwa McGregor senior eine Karotte in den Allerwertesten zu stecken versucht und sich nach dessen Infarkt als Killer feiern lässt, bleiben die Lacher im Hals stecken: Ein solch unausstehlicher Hoppler im Zentrum macht keinen Spaß.

Selbst wenn schließlich mit angestrengter Küchenpsychologie versucht wird, das Karnickel zu rehabilitieren, so wünscht man ihm schon früh ein Schicksal als Wildpastete, die Schlappohren zur Abschreckung an den Gartenzaun genagelt.