Koreanisches Künstlerpaar zu Gast in Mainzer Kunst Galerie

Seit zehn Jahren in Mainz: Das koreanische Ehepaar Naehoon Huh und Eunu Lee zieht unter dem Motto „Jahrzehnt“ in der Galerie Mainzer Kunst eine Bilanz gemeinsamen kreativen Schaffens – von der Corona-Performance bis zur „Zerreißprobe“. Foto: hbz/Stefan Sämmer

Mainzer Kunsthochschule und Galerie Mainzer Kunst würdigen das vielschichtige Schaffen des koreanisches Künstlerpaares Naehoon Huh und Eunu Lee.

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MAINZ. Sie kamen vor zehn Jahren mit einem abgeschlossenen Kunststudium nach Mainz, um an der Mainzer Kunsthochschule noch einmal zu studieren. Ungewöhnlich? Christian Vahl, Betreiber der Mainzer Kunst Galerie, hat das Künstlerpaar Naehoon Huh und Eunu Lee gefragt, warum sie noch einmal in Mainz studiert haben und was ihnen das Studium gebracht hat. Eine Antwort hat er nicht erhalten, braucht er aber auch nicht, denn die Ausstellung in den Räumen der Mainzer Kunst Galerie spricht für sich.

„Jahrzehnt“ heißt sie und zeigt einen repräsentativen Querschnitt der ehemaligen Studenten der Mainzer Kunsthochschule. Auch Kulturdezernentin Marianne Grosse blickt auf ein Jahrzehnt Amtszeit zurück – und das gerne, wenn sie sieht, welches Entwicklungspotential die junge Kunst in Mainz hat. Die Kooperation von Stadt und Kunsthochschule mit der Mainzer Kunst Galerie hat Fahrt aufgenommen. Naehoon Huh und Eunu Lee bestreiten die zweite Ausstellung in dieser Kooperation. Das Ehepaar hat eine Ateliergemeinschaft in Frankfurt und eine eigene homepage „Huh-Lee“, wie Justus Jonas von der Kunsthochschule berichtet. Ihre künstlerische Bandbreite ist beeindruckend und vor allem gleichberechtigt, was in der kunstgeschichtlichen Tradition von Künstlerpaaren nicht eben selbstverständlich ist.

Unter dem Titel „Synoptikum“ zeigen sie zu Beginn ihrer Ausstellung eine Performance von der Erfindung einer Handy-Maske, die das Gebot des öffentlichen Mundschutztragens und der Kontrolle über dessen Einhaltung zum Thema macht. Die virtuelle Corona-Maske als App, stets parat, nie wieder gerade mal vergessen und vor allem: so beschwerdefrei zu tragen, da ja gar nicht wirklich vorhanden und dank Technik individuell gestaltet.

Neben der Performance zeigen sie Plastiken aus Industrieschaum, Portraits in einer höchst eigenen Technik, beinahe altmeisterlich, von ihren ehemaligen Kommilitonen, und Objekte aus Fundstücken, wie eine Arbeit von Naehoon Huh zum Thema Zeit: Man sieht eine Kiste mit kaputten Wanduhren, die in einer schlammigen Masse aus Zement zu versinken scheinen. Die Uhrgläser sind gesprungen, die Zeiger stehen, nur der Sekundenzeiger zuckt unruhig hin und her. Der Titel „bleib stehen“ signalisiert das Anhalten oder Einfrieren von Zeit unter unwägbaren Vorzeichen – wie brandaktuell Corona. Diese Arbeit ist vor Corona entstanden und so beängstigend aktuell.

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In einer weiteren Installation, die zwei Schreibmaschinen auf unterschiedlich hohen Sockeln zeigt, dazwischen eine noch locker gespannte Papierbahn von beträchtlicher Länge, geht es um eine „Zerreißprobe“, so der Titel der Arbeit. Viele Künstlerpaare befinden sich in so einer Lage – das ist und war so. Die Ausgeglichenheit dieser Ausstellung allerdings stimmt: Sie ist vielfältig, intelligent und spannend, altmeisterlich und Top aktuell. Wo sie das gelernt haben in Seoul oder Mainz – wen interessiert das noch?