Historienmaler André Brauch zeigt Bilder des römischen Mainz

Das Gemälde „Römisches Theater im Sommer 350“ von André Brauch ist Teil der Sonderausstellung „Neue Blicke auf das römische Mainz“ im Stadthistorischen Museum. Foto: hbz/Stefan Sämmer

Die Sonderausstellung im Stadthistorischen Museum spiegelt den archäologischen Stand der Forschung. Für 2022 gibt es Pläne für ein Römerwochenende auf der Zitadelle.

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MAINZ. In großformatiger Ausführung sind Römisches Bühnentheater, die Baustelle der barocken Bastion Albani, das Heiligtum für Isis und Magna Mater sowie das Legionslager zu sehen. Diese Bilder des Festungs- und Historienmalers André Brauch, Jena, sind Ende vergangenen Jahres in dem Buch „Römisches Mainz entdecken“ von Dr. Rolf Büllesbach erschienen und jetzt in der Ausstellung „Neue Blicke auf das römische Mainz“ im Stadthistorischen Museum auf der Zitadelle zu sehen.

Weiter sind auf 21 kleineren Aquarellen unter anderem der Drususstein, die Gräberstraße in Weisenau oder der Dativius-Victor-Bogen dargestellt. Allesamt nicht etwa, wie sie sich heute präsentieren, sondern so, wie sie André Brauch rekonstruiert hat. Wie natürlich bilden die Werke des Historienmalers die längst nicht mehr im Originalzustand vorhandenen Relikte der Römerzeit so ab, wie sie zu Zeiten Mogontiacums gestanden haben könnten. Doch die Darstellungen seien, so versichern Büllesbach und Dr. Peter Lautzas, der Vorsitzende des Fördervereins Stadthistorisches Museum, durchaus nicht Auswüchse einer regen Künstlerphantasie, sondern basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Belege dafür finden sich in zwei Vitrinen in der Ausstellung, in denen eine Vielzahl von Skizzen und Arbeitsblättern des Künstlers sowie das Foto eines Modells, wie es Brauch vor dem Malen anfertigt, zu sehen sind. Zudem sei Brauch immer wieder im regen Austausch mit Archäologen gewesen, um den aktuellsten Stand der Forschung in seine Bilder einfließen lassen zu können. Mehrere seiner Aquarelle, einer Gräberstraße in Weisenau, seien auf diese Weise bereits dem Forschungsstand angepasst worden. Und: nichts sei, so Büllesbach und Lautzas, gemalt worden, was archäologisch anders gesehen werde. Bereichert wird die mit informativen Texten versehene Bilderschau durch Leihgaben des Landesmuseums. So sind römisches Handwerkszeug neben einer Bauinschrift der 22. Legion zu sehen, ein Dolch mit Scheide neben Militärdiplomen, Spielsteine neben einer Ledersandale. Auch bei der Ausstellungseröffnung stimmte das Umfeld. Eine Abordnung von fünf (fast) echten Mitgliedern der Legio XIII Gemina, Mitglieder einer Reenactmentgruppe aus dem saarländischen Ottweiler, marschierten standesgemäß auf. Nicht ohne Grund, gehörte jene Legion doch seit dem Jahr 13 v. Chr. zur Erstbesatzung des Mainzer Legionslagers.

Diese Truppe, verstärkt durch eine Gruppe aus Rom, die den selben Namen trägt, würde Lautzas im kommenden Jahr gerne wieder in Mainz begrüßen. Er stellt sich etwa im Juni 2022 auf der Zitadelle ein „Römerwochenende“ vor, „ähnlich wie das, was 2019 stattfand“. Und bis dahin, so hofft der Fördervereinsvorsitzende, werde es möglich sein, alle Gruppen und Institutionen, „denen das Römische Mainz am Herzen liegt“, zu einer gemeinsamen Aktion zu bewegen, die neben Mainz auch Rheinhessen einschließen solle. Denn, so mutmaßt der geschichtlich hoch interessierte Jurist Büllesbach, bundesweit sei „noch gar nicht so bekannt, dass auch Mainz eine Römerstadt ist“.