Zweiter Anlauf für Stolpersteine

(ute). Die Grünen in Biebesheim starten eine erneute Initiative in der Gemeindevertretung. Ihr Ziel: Auch in Biebesheim sollen endlich Stolpersteine zur Erinnerung an die...

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BIEBESHEIM. (ute). Die Grünen in Biebesheim starten eine erneute Initiative in der Gemeindevertretung. Ihr Ziel: Auch in Biebesheim sollen endlich Stolpersteine zur Erinnerung an die überwiegend jüdischen Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden können. Darüber informieren die Mitglieder in einer Pressemitteilung.

2015 hätten sie aufgrund eines sich abzeichnenden Neins der Mehrheit im damaligen Ortsparlament einen Antrag mit der gleichen Zielsetzung dazu zurückgezogen, heißt es weiter in dem Papier. Dieser hatte vorgesehen, dass die Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichen Wegen und Plätzen vor den ehemaligen Wohnsitzen der vertriebenen und ermordeten Biebesheimer Juden mit Unterstützung der Gemeinde hätte stattfinden sollen. Der aktuelle Antrag sieht dagegen vor, dass die Gemeinde lediglich die Erlaubnis erteilt, dass Stolpersteine verlegt werden dürfen. Biebesheimer Bürgern oder den Nachfahren ehemaliger jüdischer Biebesheimer soll damit die Möglichkeit gegeben werden, in eigener Regie im öffentlichen Raum Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer zu verlegen.

Biebesheim habe bereits einige Schritte getan, um das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten, loben die Grünen in dem von ihrem Fraktionsvorsitzenden Albert Lautenschläger unterzeichneten Antrag. Es sei aber an der Zeit und nur folgerichtig, diese Schritte um die Erlaubnis zur Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichen Flächen fortzusetzen.

Nachfahre ist Verlegung verwehrt worden

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Anlass für die erneute Initiative, künftig auch in Biebesheim Stolpersteine wider das Vergessen verlegen zu können – eine Praxis, die bereits in anderen Orten des Kreises Groß-Gerau üblich ist –, ist nach Darstellung der Grünen, dass vor Kurzem ein Nachfahre verfolgter jüdischer Biebesheimer in der Gemeindeverwaltung um die Erlaubnis einer Stolpersteinverlegung auf eigene Kosten vor dem damaligen Wohnsitz der Familie ersucht habe. Die Erlaubnis dafür sei dem Mann aber verweigert worden. „Wie muss ein Nachfahre von Opfern des Nationalsozialismus sich fühlen, wenn ihm das Gedenken vor dem Stammhaus seiner Familie verwehrt wird?“, fragen die Grünen in der Antragsbegründung.

Die Verlegung von Stolpersteinen sei eine Form des Gedenkens, bei dem die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus mitten in den Alltag geholt werde. Ihr Wert und ihre Besonderheit lägen gerade darin, dass die Stolpersteine Aufmerksamkeit erzeugten, ohne dass etwa ein Museumsbesuch, der Gang zu einem besonderen Ort oder aufwendiges Beschaffen von Informationen aus der Literatur nötig seien. Die Stolpersteine erzeugten außerdem Interesse und gäben Denkanstöße.

„Gerade in einer Zeit“, betonen die Biebesheimer Grünen in ihrer Begründung, „in der rechtsradikale Tendenzen und rechtspopulistische Parteien und Vereinigungen leider auch in Deutschland verstärkt tätig sind, ist es umso wichtiger, mit vielfältigen und öffentlich sichtbaren Aktionen auf die Folgen einer menschenverachtenden rechten Ideologie hinzuweisen.“