Zeitreise per Bergbaubahn in der Grube Fortuna

Eine Fahrt mit der Grubenbahn ist vor allem für Kinder ein Riesenspaß. Foto: Geowelt Fortuna  Foto: Geowelt Fortuna

Ob Schneewittchen oder Schneeweisschen und Rosenrot: Bergbau ist vielen Kindern heutzutage häufig nur noch durch die in den Märchen unter Tage arbeitenden Zwerge ein Begriff....

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SOLMS. Ob Schneewittchen oder Schneeweisschen und Rosenrot: Bergbau ist vielen Kindern heutzutage häufig nur noch durch die in den Märchen unter Tage arbeitenden Zwerge ein Begriff. Dabei spielte er in der Vergangenheit in vielen Gebieten eine große Rolle, so auch in Solms-Oberbiel. Die Region an Lahn und Dill war bis ins 20. Jahrhundert geprägt durch den Eisenerzbergbau und die weiterverarbeitenden Industrien. 1983 war damit zwar Schluss, doch die Schließung war nicht von Dauer: Das letzte klassische Eisenerzbergwerk Deutschlands im Originalzustand ist seit 30 Jahren für Besucher geöffnet. Durch den Stollen geht es zum Schacht, wo die Grubenbahn wartet. Sie bringt ihre Passagiere zum Abbaubereich – die Fahrt ist ein Heidenspaß für Kinder! Anschließend führen Bergwerksführer die Originalmaschinen von anno dazumal vor und dürfen mit Fragen gelöchert werden.

Eisen und Stahl sind unverzichtbar

Michael Volkwein von der „Geowelt Fortuna“ kennt die gängigen Fragen: „Wie wird aus dem Eisenerz Eisen?“ Mit Feuer, lautet die Antwort: In feurigen Hochöfen wird das Eisen mit Kohle aus dem Erz infolge einer chemischen Reaktion „geschmolzen“. Außerdem wollen die Kleinen wissen, wofür man überhaupt Eisen und Stahl benötigt („Für Auto, Eisenbahn, Schiffe, Gebäude, Maschinen unverzichtbar“), und ob es in der Grube Gold gibt („Nein. Aber aus Gold kann man keine Autos bauen.“) Auch die Überlegung, wo die Bergleute auf die Toilette gegangen sind, gehört zu den Dauerbrennern („Es gibt da unten einen Kübel. Und wer den freiwillig ausleerte, bekam ein wenig mehr Lohn.“)

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Maschinenlärm im Wechsel mit tiefer Stille vermitteln der Grube auch akustisch eine besondere Atmosphäre. Und es gibt darüber hinaus ordentlich Action, denn das Angebot wird durch die einmalige Schachtfahrung im Förderkorb in 150 Metern Tiefe ergänzt: „Wir bieten Bergbau live. Hinzu kommen spannende museale Elemente wie Hörstationen und Dioramen.“

Einerseits werde das Wissen über den Rohstoff Eisen vermittelt. „Andererseits zeigen wir die harte, aber auch verbrüdernde Arbeitswelt der Bergleute auf, die die Grundlagen unseres Wohlstands geschaffen haben. Und in anderen Ländern dieser Erde wird immer noch so hart gearbeitet, auch von Kindern “, betont Volkwein.

Im blitzsauberen Fördermaschinenhaus wiederum sitzt der Maschinist und bedient die Fördermaschine, die mit Technik aus dem Jahr 1958 nur mit ausgeklügelter Mechanik, Hydraulik und Elektrik funktioniert: „Ganz ohne App und nur auf Läutesignal.“ Wieder oben angekommen, ist ein Abstecher in das „Feld- und Grubenbahnmuseum Fortuna“ auf dem Zechengelände zu empfehlen, das mit knapp 60 Lokomotiven und etwa hundert Wagen eine interessante Sammlung präsentiert.