Volk im Schloss kling mit Trude-Herr-Klassikern aus

Die Harmonics aus Wallerstädten mit ihrem neuen Dirigenten Frank Häuser gefallen bei „Volk im Schloss“.Foto: Vollformat/Robert Heiler  Foto: Vollformat/Robert Heiler

Mit dem Besten, was die deutsche weibliche A-cappella-Szene momentan zu bieten hat, beendeten „medlz“ das dreitägige Festival „Volk im Schloss“ am Sonntagabend im...

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GROSS-GERAU. Mit dem Besten, was die deutsche weibliche A-cappella-Szene momentan zu bieten hat, beendeten „medlz“ das dreitägige Festival „Volk im Schloss“ am Sonntagabend im Groß-Gerauer Schloss Dornberg. Der Neuzugang der vierköpfigen Formation aus Dresden, Joyce Lella, verstärkt seit einem Jahr die Gruppe in der Alt-Stimmlage auf natürliche Weise – über ein „Octaver“ genanntes elektronisches Gerät gibt sie zusätzlich den untertourigen Klangteppich, wenn Bassläufe gebraucht werden, wie zum Beispiel bei „Kashmir“ von Led Zeppelin.

„Dieser Basslauf ist eine große Herausforderung, weil er doch recht anspruchsvoll ist“, erzählte Lella, die direkt nach ihrem Abitur über ein Casting zur Band gestoßen ist, von ihrem persönlichen Lieblingsstück. Mit etwa 20 Songs boten die vier einen Streifzug durch die Musikgeschichte „Von Mozart bis Mercury“ und zeigten dem begeisterten Publikum, wie aus Klassik und Rock eine mitreißende Performance nur durch die menschliche Stimme erzeugt wird.

Kindermusical einstudiert

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Besonders mit den Trude-Herr-Klassikern „Ich will keine Schokolade“ und „Ich bin morgens immer müde“, das erst in der klassischen Version angestimmt und später im Techno-Stil von Liang durch das große Festzelt klang, überzeugten die „medlz“ einmal mehr ihre Zuhörer.

Zuvor war das Zelt Plattform für einige Chöre aus dem Kreis, während sich im Schlosspark Kinder tummelten und unter der Leitung von Biggi Küchler, Leiterin der Little Voices aus Mörfelden, das Kindermusical „Der kleine Tag“ von Rolf Zuckowski in nur einer Stunde einstudierten und dann in bunten Kostümen auf die Bühne brachten.

Auftakt des Festivals der Chöre, das bis vor zwei Jahren donnerstags stattfand und nun in den Sonntag integriert ist, machten die „Harmonics“ vom Gesangverein Teutonia aus Wallerstädten. Auch hier gab es einen Neuzugang zu verzeichnen. Seit Anfang August ist nach einem Probedirigat der neue Chorleiter Frank Häuser aus Mainz für Stimmbildung, Intonation und Liedauswahl zuständig.

Der sympathische Mainzer mit gleich zwei beruflichen Standbeinen hat vor seinem Dienst als Polizist ein Studium zum Kirchenmusiker absolviert und singt seit zwölf Jahren bei den Mainzer Hofsängern. Nachdem er aus dem Schichtdienst in den IT-Bereich wechselte, wollte er neben seinen Chören in Bodenheim und Nierstein noch einen weiteren Chor leiten. Über die Chorleiterbörse ist er zu den Harmonics gekommen.

Frische junge Stimmen zeigte die Formation „Cappricioso“ aus Wolfskehlen unter Leitung von Renata Bueno-Tavares mit „Nothing else matters“ von Metallica, während einen Auftritt später das Publikum beim „Singen mit dem Publikum“ von Nadine Happel angeleitet wurde. Die Zeltbesucher bekamen Noten und Texte zur Verfügung gestellt und hatten ihren Spaß bei den Kanons und bei der Choreografie zum Fruchtsalatkanon.

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„Wir sollten uns sowieso mehr bewegen beim Singen“, befand Besucherin Hannelore Stannarius, die selbst im Gesangverein Frohsinn in Königstädten aktiv ist. Das bewegte Auftreten sei doch viel zeitgemäßer. Getragener ging es beim gemischten Erfelder Chor unter der Leitung von Stefan Konrad zu. Mit viel Seele interpretierte er die ersten beiden Stücke „My Lord, what a morning“ und „Swing low, sweet chariot“, bevor unter der Klavierbegleitung von Frank Häuser „Du hast Glück bei den Fraun, Bel Ami“ intoniert wurde und als Zugabe die „Schwäb’sche Eisebahne“ erklang – mit diesem Stück hatte der Chor den Kreissängerwettbewerb gewonnen. Darauf hatten die Leute nur gewartet und bedachten den Vortrag mit tosendem Applaus. Eingeleitet wurde der musikalische Sonntag von der IKS Big Band aus Rüsselsheim.