Vikare aus Tansania informieren sich über besonderen...

Alayna hat türkisch-bosnische Wurzeln und ist Muslimin. Aaron ist evangelischer, Diego katholischer Christ. Sie sitzen in der Martin-Buber-Schule einträchtig beieinander. Im...

Anzeige

GROSS-GERAU. Alayna hat türkisch-bosnische Wurzeln und ist Muslimin. Aaron ist evangelischer, Diego katholischer Christ. Sie sitzen in der Martin-Buber-Schule einträchtig beieinander. Im zehnten Schuljahr haben sie sich intensiv mit Religion befasst und viel voneinander gelernt. „Es ist gut, die Ansichten der anderen kennenzulernen und Vorurteile abzubauen“, sagt Alayna.

Die Martin-Buber-Schule orientiert sich an den Worten ihres Namensgebers: „Die Zusammenarbeit der Religionen ist in unserer Zeit notwendiger als je zuvor“, hat er bereits im 20. Jahrhundert festgestellt.

In Ethikstunde über Islam lernen

An der Groß-Gerauer Schule gibt es seit zwölf Jahren ein besonderes Projekt, über das sich am Montag vier Vikare und Lehrer aus Tansania informiert haben. „Schüler begegnen den Abrahamischen Religionen“, ist die Überschrift des interreligiösen Dialogs, an dem alle Schüler der zehnten Klassen teilnehmen. Da ist auf der einen Seite der Religionsunterricht, der sich an die Mitglieder der christlichen und der jüdischen Konfessionen richtet, und dann noch der Ethikunterricht, in dem alle Atheisten, aber auch die Muslime vertreten sind. Nämlich zu 55 Prozent. Für Lehrerin Ursula Alflen eine unbefriedigende Situation. Doch es gebe kaum Lehrer für Islamunterricht. Deshalb müssen Schüler islamischen Glaubens in den Ethikunterricht.

Anzeige

Nichtsdestotrotz funktioniere der interreligiöse Dialog, erfuhren die vier Gäste an Tansania. Die Bevölkerung dort besteht in etwa zur Hälfte aus Christen und zur anderen Hälfte aus Muslimen. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zu Deutschland. Es gibt keine unterschiedlichen Kulturen. Das Zusammenleben in Tansania gestalte sich deshalb in dieser Hinsicht problemloser, so Pfarrer Matthias Ulrich, der die Delegation im Auftrag der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) begleitet.

Die vier Gäste hörten sich interessiert den Unterrichtsaufbau in Groß-Gerau an. Sie bedauerten, dass die Zeit des Besuchs begrenzt war. Nach ausführlichen Präsentationen konnten sie nicht mehr alle Fragen stellen, weil sie in einer weiteren Schule in Frankfurt erwartet wurden.

Alayna, Aaron und Diego haben ihre positiven Eindrücke des interreligiösen Dialogs geschildert. Die Gäste aus Tansania wollten unter anderem wissen, ob durch diesen Unterricht der ein oder andere Schüler in eine andere Religion wechsle und wie die Eltern das Angebot finden. Generell offenbar gut, doch wenn eine christliche Kirche, eine Moschee und eine Synagoge besucht werden, dürfen einige Schüler nicht mitfahren, weil es ihnen von den Eltern verboten wird.

Kritisch hinterfragten die Gäste, ob ein christlicher Lehrer die anderen Religionen richtig vermitteln könne. Doch weil es eben nicht genügend Lehrer für den muslimischen Glauben gibt, muss die Situation derzeit so akzeptiert werden. „Wir unterrichten ohnehin nur die Basics“, so Ursula Alflen. Und die hätten alle Religionslehrer drauf.