Kindeswohl entscheidendes Argument

Bei der Wohnungsgabe bevorzugt. Ins Frauenhaus geflüchtete Frauen werden bei der Vergabe bevorzugt. Das ist ein  einstimmiges Votum der Stadtverordnetenversammlung. Archivfoto: DPA  Foto:

Nach der intensiven und auch emotionalen Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss hat die Debatte über die Frage, ob ins Frauenhaus geflüchtete Frauen bei der Vergabe von...

Anzeige

GROSS-GERAU. Nach der intensiven und auch emotionalen Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss hat die Debatte über die Frage, ob ins Frauenhaus geflüchtete Frauen bei der Vergabe von Wohnungen durch die Stadt Groß-Gerau bevorzugt werden sollen, eine überraschende Wendung genommen: Die Stadtverordnetenversammlung votierte am Dienstagabend einstimmig dafür. Zuvor hatte sich die SPD auf einen Änderungsantrag der CDU eingelassen. Demzufolge soll das Belegungsmanagement der Stadt dahingehend flexibilisiert werden, dass besser auf die Bedürfnisse von Bewohnerinnen mit Kindern reagiert werden kann. Nach zwei Jahren soll es dann einen Bericht über erfolgte Zuteilungen geben. Die SPD war in ihrem Antrag von zwei bis drei Fällen pro Jahr ausgegangen.

Möglichst schnell zurück in ein normales Leben

Cristina Reinhardt (SPD) warb um Zustimmung zum Vorstoß der Sozialdemokraten. Der Aufenthalt im Frauenhaus dürfe kein Dauerzustand werden, die Frauen und ihre Kinder müssten möglichst schnell eine Wohnung erhalten, damit sie die traumatischen Erlebnisse vergessen und wieder ein normales Leben führen könnten. Zudem gelte es, im Frauenhaus Plätze für Notfälle frei zu haben.

Erhard Walther (CDU) legte dar, dass sich seine Fraktion nach der Diskussion im Ausschuss noch lange mit dem Thema beschäftigt habe. Die von der SPD geforderte Flexibilisierung bedeute letztlich Priorisierung. Für die Union sei das Kindeswohl das entscheidende Argument. Es gelte, den Kindern eine normale Sozialisation zu ermöglichen. Sofern es Wohnraum gebe, sollte er in begründeten Fällen bevorzugt vergeben werden können.

Anzeige

Seitens der FDP stimmte Irene Mogoui zu, befürchtete aber, dass 7,50 Euro pro Quadratmeter bei sozial geförderten Wohnungen zu viel sein könnten. Jürgen Martin (SPD) leistete Aufklärungsarbeit. Bei Neubauwohnungen würden 6,80 bis 7,50 Euro fällig, während die durchschnittliche Bestandsmiete etwa der Baugenossenschaft Ried bei 5,50 Euro pro Quadratmeter liege. Über die Zustimmung zeigte er sich erfreut. Das gemeinsame Ergebnis „steht uns allen gut zu Gesicht“.

Für die Grünen gab Renate Wahrig-Burfeind zu bedenken, dass im Frauenhaus mit seinen neun Plätzen und einem Notplatz auch Frauen lebten, die keine Kinder hätten und ebenfalls eine Wohnung suchten, aber keine fänden. Auch sie blockierten notgedrungen Plätze, die für akute Fälle benötigt würden. Vor diesem Hintergrund wünschte sie sich, dass die SPD ihren ursprünglichen Antrag aufrecht erhalte.

Jürgen Martin wollte den Konsens nicht gefährden und bat darum, die Sitzung kurz auszusetzen, damit sich die Fraktionschefs beraten könnten. Am Ende blieb es dann beim verabredeten Kompromiss. „Wir können nicht immer alles möglich machen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Man werde aber versuchen, auch für Betroffene ohne Kinder eine Lösung zu finden.