Keine Stolpersteine in Biebesheim
Nach immer wieder aufflammender Diskussion gab es lediglich ein Meinungsbild. Doch am Dienstagabend hat die Gemeindevertretung einen klaren Beschluss gefasst: In Biebesheim...
BIEBESHEIM. Nach immer wieder aufflammender Diskussion gab es lediglich ein Meinungsbild. Doch am Dienstagabend hat die Gemeindevertretung einen klaren Beschluss gefasst: In Biebesheim werden keine „Stolpersteine“ verlegt. Diesen SPD-Antrag, in Konkurrenz zu einer gegensätzlichen, früher eingereichten Initiative der Grünen gestellt, hat das Parlament mit 18 zu sechs Stimmen beschlossen. Mit der SPD stimmten die Freien Wähler, die CDU votierte dagegen, die Grünen enthielten sich.
„Stolpersteine“, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, werden in den Bürgersteig eingelassen. Ihre Messingplatten nennen Namen, Lebensdaten und Angaben über das Schicksal von Opfern des Nazi-Regimes.
SPD-Antrag wird zuerst behandelt
Mit dem Parlamentsbeschluss war der Grünen-Antrag hinfällig geworden. Bei der Entscheidung, über welche Initiative zuerst abzustimmen sei, hatte sich Gemeindevertretervorsteher Klaus Barth (SPD) auf die Geschäftsordnung berufen: Demnach komme – da nicht feststellbar sei, welcher Antrag der weitergehende sei – zuerst der konkurrierende Hauptantrag an die Reihe. Ursula Hammann (Grüne) kritisierte Barths Einschätzung als „sachlich falsch“, die Initiative ihrer Fraktion sei sehr wohl inhaltlich umfassender.
Die Grünen hatten ihren Antrag kurzfristig erweitert: Außer der Forderung, Privatpersonen die Verlegung von Stolpersteinen im öffentlichen Raum zu gestatten, wurden auch individuelle Formen des Gedenkens aufgenommen. Auch die 2015 in einem von den Grünen initiierten Bürgerdialog angedachte „Eisen-Menora“ mit Glasplatten findet sich in diesem neuen Antrag: Auf dieser Plastik würden die Familiennamen der Biebesheimer Juden stehen, die Opfer des Holocaust wurden. QR-Codes sollen zu umfassenden Informationen führen.
Alle diese Gedenkformen halten die Grünen für sinnvoll, wie Fraktionsvorsitzender Albert Lautenschläger betonte: „Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.“ Joachim Freitag (SPD) stellte fest, dass die Grünen Teile des SPD-Papiers übernommen hätten. Im Unterschied zur Ökofraktion wolle die SPD aber keine Stolpersteinverlegung in Biebesheim. Lautenschläger sieht indes „keine rationellen Gründe“, Stolpersteine nicht wenigstens zu gestatten. Hans-Georg Krings (SPD) entgegnete auf die Forderung von Ursula Hammann, die SPD solle sich einen Ruck geben und über ihren eigenen Schatten springen: „Der Schatten ist zu lang.“
Gerhard Geipert (CDU) begründete die Haltung seiner Fraktion mit den vielen schon realisierten Biebesheimer Gedenkprojekten, die im SPD-Antrag aufgelistet sind – darunter Buchveröffentlichungen, Ausstellungen und Gedenksteine. Außerdem unterstellte Geipert dem Künstler Demnig ein kommerzielles Interesse an den Stolpersteinen. Ursula Hammann entgegnete: Demnig habe keinerlei Profit von dem Projekt, für das er vielfach ausgezeichnet worden sei.
Für Bürgermeister Thomas Schell (SPD) ist die Frage, ob man sich für eine ortsübergreifende Gedenkform wie die Stolpersteine oder eine ortsbezogene entscheide: „Hier würde ich immer der ortsbezogenen den Vorzug geben.“ Auch Jürgen Ditz (Freie Wähler) hob auf die Gedenkkultur der Riedgemeinde ab: „Biebesheim braucht sich da nicht zu schämen.“ Für ihn ist das Thema Stolpersteine ein für alle Mal abgehakt.