Harika Schirmer zeigt ihre Malerei in der Biebesheimer...

Werke von Harika Schirmer sind seit Freitag im Foyer des Biebesheimer Rathauses zu sehen. Es war die erste Ausstellungseröffnung in der Rathaus-Galerie Biebesheim für regionale Künstler, da derzeit die Treppenhaus-Galerie im Museum geschlossen ist. Neun Bilder zeigt die aus Riedstadt stammende Künstlerin. Foto: Robert Heiler /Vollformat   Foto: Robert Heiler /Vollformat

Truth or Consequences heißt eine 6500 Einwohner zählende Kleinstadt im US-Bundesstaat New Mexico am Rio Grande. Dort stieß Harika Schirmer auf ein schneeweißes...

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BIEBESHEIM. Truth or Consequences heißt eine 6500 Einwohner zählende Kleinstadt im US-Bundesstaat New Mexico am Rio Grande. Dort stieß Harika Schirmer auf ein schneeweißes VW-Käfer-Cabriolet. Als sie es fotografieren wollte, stellte sich der stolze Fahrer daneben. Was die in Izmir geborene Künstlerin trotz ihres geschulten Auges nicht sah: Der römische Kragen am schwarzen Talar kennzeichnete den Lenker des Buckelporsches als Geistlichen.

Wie ein Urlaubs-Foto-Album im Großformat

Das Foto, inzwischen in Mischtechnik auf Leinwand, ist eines der neun Bilder, die seit Freitag im Rathaus zu sehen sind. Oft macht Schirmer Fotos, aus denen später Gemälde werden. Mit der dem Biebesheimer Künstlerkreis angehörenden und seit 2003 in Goddelau lebenden Malerin eröffneten Gemeinde und Heimat- und Geschichtsverein (HGV) die Rathaus-Galerie. Damit sind Ausstellungen auch in der Zukunft möglich, nachdem sie selbst im umgebauten Museum aus Brandschutzgründen nicht mehr angeboten werden dürfen. Das sagte Erster Beigeordneter Günter Müller (SPD) bei der Begrüßung.

Die bis zum 30. Juni dauernde Ausstellung ist wie ein Urlaubs-Foto-Album im Großformat. Denn viele ihrer Motive sieht die Künstlerin auf Reisen. Sie sucht sie nicht, wie sie sagt, sondern sie kommen zu ihr, „springen sie an“. Die Initialzündung dazu ging von ihrer Mutter aus. Die nämlich lernte in einem Bus einen Mann mit Barett kennen, „der Künstler sein müsse“. Ihm, der tatsächlich Kunstrestaurator am städtischen Museum Heidelberg und Maler war, zeigte sie Zeichnungen der zwölfjährigen Tochter.

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Drei Jahre lang hatte die junge Harika dann Privatunterricht bei jenem Hans Volkmar. Es folgte ein Gaststudium der Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe bei Professor Klaus Arnold, bevor die Weiterentwicklung in Malerei und Zeichnung autodidaktisch voranging. Norbert Hefermehl, Vorsitzender des HGV, stellte die Künstlerin vor. Seit den neunziger Jahren habe sie viele Einzel- und Gruppenausstellungen bestritten.

Die neun Bilder der Ausstellung zeigen einen Querschnitt des Schaffens Schirmers. Da gibt es einfühlsam reduzierte Formen, Nähe ebenso wie Verfremdung. Drei Damen mit Badelatschen und Sonnenbrillen sind das Ergebnis eines Treffens im Schwimmbad. „Alle haben auf mich geschaut: Da kommt sie ja.“ Diesen Augenblick hat Harika Schirmer festgehalten – mit fünf, vier, drei und zwei Freundinnen: „Es war wie ein Rausch.“

Aus vieler Herren Länder stammen die Motive, etwa aus Indonesien, Afrika, USA oder der Türkei. Eine Freundin ist Ethnologin, „mit der ich viel reise“. Was sie sieht, hält sie meist großflächig und mit großzügiger Pinselführung fest: die Maifische mit Punkten, Blüten in Pastell, den riesigen Gecko. Das Jaguar-Bildnis ist entstanden, „damit der VW-Käfer nicht so alleine ist“. Auch Eindrücke aus dem Ried sammelt die Künstlerin und hält sie in Öl, Tempera und Aquarell fest.

Bilder mit Motiven aus Afrika und Asien

Dass sie zu jedem Bild Kurzgeschichten schreiben könnte, nimmt man Harika Schirmer ab. Eine Andeutung davon findet sich in der kleinen Broschüre, die in der Rathaus-Galerie ausliegt. Da erzählt sie von den Schachspielern in der indonesischen Stadt Yogyakarta, die trotz des Straßenlärms in Konzentration versunken sind. „Die Tiere schauten tatsächlich alle kurz in die Kamera, bevor sie im Dickicht verschwanden“, heißt es zu einer Fotosafari in Kenia. Zum Schaffen gehören auch Selbstporträts wie jenes, das von einem Kuraufenthalt in der Kindheit im Schwarzwald berichtet. Was treibt Harika Schirmer an? Die Antwort ist kurz: „Malen ist wie Meditation.“