Fußball: Eintracht-Prominenz gastiert bei der Gießener Volksbank

Das hochkarätig besetzte Podium (von links): Moderator Volker Maier, Karl-Heinz Körbel (ohne Namensschild), Ferdinand Huhle und Axel Hellmann. Foto: Bayer

Karl-Heinz Körbel steht an der Garderobe und schaut etwas ratlos auf sein Namensschild.

Anzeige

GIESSEN. Karl-Heinz Körbel steht an der Garderobe und schaut etwas ratlos auf sein Namensschild. Das bringt er schließlich etwas lässig an seiner Hose an. Aber nötig hat er das nicht. Wer schließlich kennt in Hessen nicht den Rekordspieler der Fußball-Bundesliga? Wer sollte hier in Gießen noch nichts von der Ikone der Frankfurter Eintracht gehört haben, die mit dem Verein vor allem in den 70er Jahren große Erfolge gefeiert hat? Wohl niemand.

Aber Körbel ist ein höflicher und vor allem uneitler Mensch. Also mischt er sich an diesem Abend mit Namensschild bewehrt unter die Gäste in der Volksbank-Zentrale im Schiffenberger Tal. Hier veranstaltet der hessische Traditionsclub seinen fünften Business Talk. Eine Veranstaltungsreihe, mit der die Eintracht quer durch Hessen zieht. Diesmal ist Volksbank-Vorstandsvorsitzender Peter Hanker der Gastgeber. Vor gut 100 geladenen Gästen, vor allem aus der heimischen Wirtschaft, stellen sich Eintracht-Finanzvorstand Axel Hellmann, Ferdinand Huhle von Sponsor Mainova und eben Karl-Heinz Körbel den Fragen von Moderator Volker Maier.

Im Mittelpunkt des Interesses steht an diesem Abend Axel Hellmann. Natürlich Hellmann. Denn der eloquente Jurist hat just an diesem Tag ein viel beachtetes Interview im "Kicker" gegeben, in dem er seine Ideen zur umstrittenen 50+1-Regelung in der Bundesliga kundtat. Und zu diesem schwierigen Thema, das durch den Vorstoß von Hannovers Präsident und Investor Martin Kind derzeit so brisant ist, wird Hellmann auch in Gießen befragt. Dabei redet der Mann erfrischenden Klartext. "Die 50+1-Regel", sagt er mit Nachdruck, "ist ein Segen." Schließlich verhindere diese bislang, dass sich ein Investor, sei es ein russischer Oligarch, ein arabischer Emir oder ein US-Unternehmen, die Entscheidungsgewalt über einen Bundesliga-Verein aneignet. Hellmann benennt auch sofort die Gefahren: Ein Verein, der sich einem Investor ausliefert, kann nicht mehr über seine Jugendarbeit, seinen Umgang mit den Fans, ja sogar über seinen Standort bestimmen. Deshalb verteidigt der starke Mann der Eintracht nicht nur die derzeitige Regelung, sondern legt sogar nach: "Lasst uns ein Gesetz machen - ein Bundesliga-Gesetz." Ein Gesetz, das den Einfluss von Investoren klar regelt. Ein Gesetz, das die Gefahren, denen sich beispielsweise der englische Fußball aussetzt, deutlich begrenzt. Die Resonanz auf seinen Vorschlag, so erklärt Hellmann, sei groß. So groß möglicherweise, dass diese Idee der gewiss noch monatelang anhaltenden Diskussion eine neue Richtung geben könnte.

Doch nicht nur über trockene Paragrafen wird während der kurzweiligen Stunde gesprochen, sondern auch über Fußball. Über den Fußball, der auf dem Platz ausgetragen wird. Vor allem natürlich über den Fußball, der derzeit in Frankfurt gespielt wird. "Unsere sportliche Situation", kann dazu Hellmann befreit sagen, "ist sehr, sehr positiv, vor allem auch, weil die Mannschaft das Publikum mitreißt."

Anzeige

Deshalb mitreißt, weil die Frankfurter Fans es angenommen haben, dass aus der einst technisch so beschlagenen launischen Diva der 70er Jahre nun ein eher hart arbeitendes Kollektiv geworden ist. Harte Arbeit, sagt Hellmann mit einem kleinen Schmunzeln, passe durchaus gut zur Bankenstadt. Und diese harte Arbeit des kickenden Personals werde vor allem mit Niko Kovac in Verbindung gebracht. "Der Trainer lebt das vor. Der steht jeden Morgen um acht Uhr im Stadion und macht um 22 Uhr das Licht aus", so das Vorstandsmitglied. Das jedoch ruft den neben Hellmann sitzenden Körbel auf den rhetorischen Plan. "Die beiden Kovac-Brüder müssen ein bisschen Gas rausnehmen. Die sind zwar noch jung, aber irgendwann fallen die doch um, wenn sie so weitermachen", mahnt der einstige Vorstopper und gibt anschließend einen kleinen Einblick in das durchaus schillernde Innenleben des Vereins in den vergangenen Jahrzehnten. Nicht immer, so kann man Körbels teils lustigen, teils ernsthaften Anmerkungen entnehmen, befanden sich die richtigen Menschen am richtigen Ort im Vorstand. Sowohl Nachwuchsarbeit als auch Spielersuche seien unprofessionell gehandhabt worden. All das sei in den letzten Jahren weitaus besser geworden. "Axel Hellmann", lobt er denn auch, "hat das Pokalfinale im vergangenen Jahr optimal genutzt." Genutzt bei der Suche nach Sponsoren. Genutzt aber auch, um die Anhänger noch stärker an den Verein zu binden. Und gerade aufgrund dieses grandiosen Erlebnisses vom vergangenen Jahr ist sich Körbel mit Blick auf das Pokal-Viertelfinale heute gegen Mainz 05 sicher: "Die Mannschaft wird ganz anders auftreten." Ganz anders als bei der 0:3-Niederlage am Sonntag in Augsburg. Mittelfristig wagt sich Körbel kaum an eine Prognose zur Eintracht. "Der Ist-Zustand", so der Rekordmann, "ist gut. Die Probleme kriegen wir erst dann, wenn der Niko Kovac weg ist."

Den Trainer-Weggang fürchtet Körbel so wie Hellmann das erste Montags-Erstligaspiel in der Geschichte am 19. Februar gegen RB Leipzig. "Ausgerechnet die Eintracht mit ihren bekannt kritischen Fans", stöhnt der Vorstand, muss dieses umstrittene Abendspiel austragen: "Da können wir uns auf was gefasst machen." Ein Befürworter der Montagsregelung ist Hellmann keineswegs. Dazu kann Körbel wiederum nur nicken.

Lachen müssen die beiden Eintrachtler am Ende des überaus interessanten Abends. Denn da wird Gastgeber Peter Hanker noch mit einem Eintracht-Schal ausgestattet. Was der bekennende Schalke-Fan mit einem leicht gequälten Lächeln dann aber doch gerne hinnimmt.