Ein Leben für den Beruf: Gerlinde Hoffmann ist seit 40 Jahren...

Das Alten- und Pflegeheim An der Fasanerie ist für Gerlinde Hoffmann ein zweites Zuhause. Vor 40 Jahren nahm sie hier ihren Dienst auf, seit 32 Jahren leitet sie das Heim.Foto: Vollformat/Robert Heiler  Foto: Vollformat/Robert Heiler

Als Gerlinde Hoffmann 1977 mit 24 Jahren ins Alten- und Pflegeheim An der Fasanerie kam, hätte sie wohl nicht gedacht, dass sie 40 Jahre später für 32 Jahre Heimleitung und...

Anzeige

GROSS-GERAU. Als Gerlinde Hoffmann 1977 mit 24 Jahren ins Alten- und Pflegeheim An der Fasanerie kam, hätte sie wohl nicht gedacht, dass sie 40 Jahre später für 32 Jahre Heimleitung und acht Jahre Hauswirtschaftliche Leitung sowie als ehemals stellvertretende Leiterin ab 1979 geehrt werden würde. Und doch: „Ich bin geblieben. Und ich bin gern geblieben“, sagt sie in überzeugtem Tonfall.

Weder Zweifel noch Bedauern klingen an, kein: „Ach, hätte ich doch.“ Gerlinde Hoffmann sagt: „Was wünschen sich die Bewohner, was bewegt sie, das ist meine zentrale Frage, um ihnen individuell zu begegnen und gerecht zu werden. In meinem Beruf überlegt man: Was kann man tun, um ein Leben im Alter würdig und mit Respekt gestalten zu helfen.“ Die Mission Leben als Träger mit ihrem Landesverband in Darmstadt sei für sie ein Arbeitgeber, bei dem sie sich nach der hauswirtschaftlichen Lehre und dem Fachhochschulstudium der Ökotrophologie (Ernährungswissenschaft) sofort wohlgefühlt habe, erzählt Hoffmann. „Die christliche Grundhaltung stimmte“, sagt sie, habe sie doch als Kind im westfälischen Dorf schon direkt bei der Kirche gewohnt.

„Gott stand nie infrage. Und die Diakonissen, die damals bei uns karitativ tätig waren, sind mir immer ein vertrautes Bild geblieben. Ich fand es prima, was sie leisteten. Zudem war mein Elternhaus ein sehr offenes Haus“, berichtet Hoffmann. In einer Großfamilie mit Landwirtschaft aufgewachsen, war Nachbarschaftshilfe im Miteinander der Generationen selbstverständlich.

Anzeige

„Von sich selbst sagen zu können, dass man eine glückliche Kindheit hatte, ist nicht selbstverständlich. Ich bin dankbar dafür, konnte daraus wohl auch die Stärke entwickeln, für andere da zu sein“, sagt sie. Bereits mit 15 Jahren ging’s „hinaus in die Welt“, merkt Hoffmann lachend an, wenn diese Welt sich auch zunächst auf Gütersloh beschränkte. „Dort machte ich meine hauswirtschaftliche Lehre. Studiert habe ich nach weiterer Schulausbildung dann später in Münster.“

Rasch entschied sich die junge Gerlinde dann für die Arbeit im Altenheim Groß-Gerau. „Ich kann Leben und Beruf rückblickend kaum auseinander dividieren. Es gehörte immer zusammen. Dass meine Tochter Katharina, die im Heim schon als Mädchen die alten Leute bei Faschingsfeiern beglückt hat, Ärztin geworden ist, wundert mich nicht“, erzählt sie heiter.

Selbst der Ehemann engagiert sich

Ihr Leben der Nächstenliebe im Dienst für Senioren, eine Arbeit, die heute meist kritische Nachfrage nicht zuletzt bezüglich der Bezahlung zeitigt, habe auch ihren Ehemann – Techniker im Ruhestand – infiziert: „Er übernimmt jetzt mit Freude Besorgungsfahrten für uns“, so Hoffmann. Als Heimleiterin stehen ihr im 80-köpfigen Mitarbeiterteam Sozialdienstleiterin Nadine Meister, Pflegedienstleiter Alexander Müller und Hauswirtschaftsleiterin Mara Upmeyer als Führungskräfte zur Seite.

Auch die Ausbildung von Nachwuchskräften in Pflegeberufen liegt ihr am Herzen. „Da schaue ich selbst genau hin, möchte jungen Leuten die Empathie vermitteln, die unser Beruf braucht.“ So gehörte Gerlinde Hoffmann auch früh schon zum Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer für Hauswirtschaftlerinnen. „Austausch der Generationen ist wichtig, um das Leben zu verstehen“, ist sie überzeugt, hat auch gern und oft Praktikanten aus Schulen im Haus und hält regen Kontakt zu ihren Auszubildenden. Derzeit sind es sechs.

Anzeige

„Menschen werden älter als früher, werden gebrechlicher, werden vergesslich. Dem muss sensibel begegnet werden“, sagt sie, weist aufs Netzwerk Demenz des Kreises hin, dem sie angehört. „Wenn mich Bewohner mit einem Lächeln begrüßen, wenn sie nach einer Kaffeerunde sagen: ‚War das wieder schön‘, dann bin ich glücklich.“