„Die Rente ist der Spiegel der Arbeit“

40 Jahre hart gearbeitet und als Rentner ein Fall für die Sozialhilfe: In Deutschland sei das bittere Realität, so Horst Raupp vom DGB Südhessen bei einer...

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GROSS-GERAU. 40 Jahre hart gearbeitet und als Rentner ein Fall für die Sozialhilfe: In Deutschland sei das bittere Realität, so Horst Raupp vom DGB Südhessen bei einer Diskussionsveranstaltung im Kulturcafé. Raupp forderte eine Umkehr in der Rentenpolitik. Die stufenweise Absenkung der Rente müsse beendet werden. Stattdessen müsse der Rentensatz wieder steigen. Keinesfalls dürfe sich die Rente bis 2030, wie von der Bundesregierung geplant, auf 43 Prozent des letzten Bruttoeinkommens reduzieren.

Negativ betroffen seien bis zu zehn Millionen Arbeitnehmer, die für einen Stundenlohn unter 10 Euro arbeiten. Sie fielen durch die ständige Rentenabsenkung automatisch in die Altersarmut. Unwürdig sei das, kritisierte Raupp. „Die Rente ist der Spiegel der Arbeit“, sagte der Gewerkschaftsreferent. „Lohn und Rente müssen für ein gutes Leben reichen.“

Doch die Realität sehe anders aus. Viele Arbeitnehmer verdienten trotz Mindestlohn so wenig, dass sie sich und ihre Familien kaum ernähren könnten. In der Folge würden bei ihnen weniger Rentenbeiträge fällig, also müssten sie im Alter mit Beträgen deutlich unter 1000 Euro auskommen und beim Sozialamt um Aufstockung bitten. Ein weiterer Knackpunkt seien befristete Arbeitsverhältnisse vieler junger Arbeitnehmer oder Beschäftigungsverhältnisse auf 450-Euro-Basis. Solche Entwicklungen führten kaum dazu, dass junge Menschen eine Familie gründen und Kinder bekommen.

Geringverdiener hätten zudem kaum eine Chance, ihre Rente durch eigene Vorsorge, zum Beispiel die Riester-Rente, aufzubessern.

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DGB, Arbeitwohlfahrt, der VdK und der Paritätische Wohlfahrtsverband haben sich vor einiger Zeit zu einer Renteninitiative zusammengeschlossen, um einen Kurswechsel in der Rentenpolitik zu fordern. Zudem wollen sie aufklären, denn derzeit würden die Generationen gegeneinander ausgespielt. Tatsächlich sei es die junge Generation, die später einmal unter der derzeitigen Rentenpolitik zu leiden habe.

Raupp führte Beispiele aus der Schweiz und Österreich an. Dort liege das Rentenniveau deutlich höher als in Deutschland. Im Schnitt würden dort 70 Prozent des letzten Bruttoeinkommens als Rente gezahlt. Was diese Länder können, müsse auch Exportweltmeister Deutschland schaffen.

„Es mangelt am politischen Willen“, betonte Raupp. Der DGB habe die Programme der Parteien auf die Rente hin durchforstet und wenig Erfreuliches gefunden. SPD und Grüne wollten die Rente bei 48 Prozent stabilisieren,. „Das reicht nicht“, so Raupps Fazit. Mindestens 50 Prozent fordert der DGB. Die Linke geht sogar noch weiter und legt sich auf 53 Prozent des letzten Bruttoeinkommens fest. Die CDU mache dazu in ihrem Wahlprogramm überhaupt keine Aussage.

Der Gewerkschaftsvertreter fordert eine Aufwertung kleiner Renten. „Die Rente muss deutlich über der Grundsicherung liegen“. In Deutschland lägen derzeit rund eine Million Rentner deutlich darunter. Vor allem Frauen. Das sei nicht länger hinnehmbar.