„Archäologie von oben“

Als Ergänzung zur Austellung „Merowinger-zeitliche Elite?“ im Stadtmuseum präsentierte Thomas Becker, Koordinator der Außenstelle Darmstadt Bezirksarchäologie, im...

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GROSS-GERAU. Als Ergänzung zur Austellung „Merowinger-zeitliche Elite?“ im Stadtmuseum präsentierte Thomas Becker, Koordinator der Außenstelle Darmstadt Bezirksarchäologie, im Rahmen seines Vortrags „Archäologie von oben“ das Laserscanning als Methode zur Denkmalerkundung und- Erforschung. Zahlreiche Geschichtsinteressierte kamen dazu am Donnerstagabend in das Stadtmuseum am Marktplatz.

„Denkmalpflege bedeutet Wissenstransfer für die Zukunft“, trug der Archäologe vor. Mit hochmoderner Technik und verschiedenen Methoden gelingt es der Archäologie, im Boden unsichtbare Spuren menschlichen Lebens sichtbar zu machen. Eine dieser Techniken, die Becker den Zuhörern vorstellte ist das sogenannte Light detection and ranging (LIDAR). Bei dieser Methode wird ein Gebiet mit einem Flugzeug überflogen, aus dem Laserimpulse auf die Erdoberfläche geschickt und wieder aufgefangen werden. Durch die Zeit, die der Laserstrahl vom Flugzeug zur Erde und wieder zurück benötigt, wird die exakte Entfernung berechnet und im Anschluss mit GPS-Koordinaten verortet. Durch eine Vielzahl solcher Messungen, nämlich vier Messpunkten pro Quadratmeter, entsteht ein auf Millimeter genaues Modell des Geländes.

„Mit dem sogenannten Schummerungsprogramm werden die verschiedenen Höhen der Messpunkte mit unterschiedlichen Farbschatten eingefärbt“, erklärte Becker eine bunte Folie, die nun wesentlich plastischer wirkte als zuvor in schwarz-weiß. „Ah, ja!“, riefen einige Zuhörer erstaunt aus, denn mit der Einfärbung lassen sich die kleinsten Bodenstrukturen noch besser erkennen. Auf einer Scan-Aufnahme des Gebiets rund um das Kastell Kapersburg wurden so die Strukturen von Mauern, Gräben, einer Zivilsiedlung und sogar einige Munitionsbunker sichtbar. Außerdem zeigte Becker Aufnahmen des Wallerstädter Gebiets „Safariland“. Auf den Aufnahmen zeichneten sich deutliche kreisförmige Erdstrukturen ab. „Auf diesen Aufnahmen sehen Sie nun die Grabhügelfelder“, erklärte Becker. Allgemein herrsche in Südhessen eine sehr hohe Dichte an Bodendenkmälern, so Becker. Diese seien zum Teil mit bloßem Auge zu erkennen, zum Teil jedoch unsichtbar. Doch auch für die hochmoderne LIDAR-Methode gilt: „Eine Interpretation von Scan Strukturen ist ohne eine Begehung nicht sicher“, betonte der Archäologe. Denn die Methode erfasse auch Erhöhungen, wie zum Beispiel einen geschichteten Holzstapel im Wald.

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Viele der Zuhörer, mit enormen geschichtlichem Hintergrundwissen, gingen nochmals durch die Ausstellung und diskutierten über die Vor- und auch Nachteile der vorgestellten Technik.

Von Franziska Gütlich