Amüsanter Wunsch-Schwiegersohn

Wenn Alain Frei sagt, mit ihm sei nie was Besonderes losgewesen, seine Mutter habe sich gewünscht, dass er Psychologe wird, doch er habe ja genug eigene Probleme – dann lacht...

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GROSS-GERAU. Wenn Alain Frei sagt, mit ihm sei nie was Besonderes losgewesen, seine Mutter habe sich gewünscht, dass er Psychologe wird, doch er habe ja genug eigene Probleme – dann lacht das Publikum, als habe er einen überaus geistreichen Scherz gemacht. Und wenn er witzelt, ein Mann, der seinen Drink mit Strohhalm schlürfe, könne einfach nur lächerlich wirken, während er selbst mit Strohhalm am Getränk nippt, lacht das Publikum auch. Und applaudiert begeistert.

Das Publikum lachte und lachte, als der Schweizer Komiker Alain Frei am Samstagabend auf der Bühne im Kulturcafé gut einstudierte Scherze präsentierte, die so wirkten, als seien sie spontanen Einfällen entsprungen. In flapsigem Dialog mit dem Publikum kamen weitere Gags dazu, sodass von Beginn an der Funke übersprang.

Komische Schilderung des Banalen

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Selten war das Gros der Gäste im Kulturcafé so jung wie am Abend mit Alain Frei, sodass sich Besucher um die 45 und älter einer neuen Art der erfolgreichen, situationsbezogenen Komik gegenübersahen, die mit Größen des Kabaretts – man denke etwa an Hüsch und Hildebrand – nichts gemein hatte: Stand-up-Comedy ist kein Kabarett, basiert nicht auf satirischer Komik, die sich aus Politik und Zeitgeist speist. Alain Frei ist mit seinen 34 Jahren ein begabter Vertreter der komischen Schilderung des Banalen, befreit sein Publikum vom Ernst des Lebens, scherzt die Sorgen nieder.

Der Saal sei ausverkauft, so Kulturcafé-Geschäftsführer Walter Seeger, ja sogar zwei Fans aus Basel seien angereist. Das Paar wurde von Alain Frei auf Schwizerdütsch begrüßt, wobei sein „Grüassli“ und die Frage: „Wie gaht’s üch?“ erneut Lachsalven auslösten. Fehlte nur, dass junge Frauen ausgerufen hätten: „Ist er nicht süß?“

Alain Frei, in grauem Shirt und grauer Hose, schlicht, nett und auf selbstbewusste Weise gar nicht besonders – „Alain, einer von uns“ –, sah sich vom Erfolg des schwitzerdütschen Einsprengsels ermuntert, noch mehrere nachzuschieben: „Wenn ein Schweizer schimpft, nimmt ihn niemand ernst.“ Frei machte vor: „Es gaht mir mega uf dä Sack“ und das Lachen nahm zu. Oder: Wenn Deutsche sagen „So ein Mist“, bleibe dem Schweizer nur: „So en Seich!“ Ganz zu schweigen von Worten, die auf „i“ enden, und für deutsche Ohren ein Kindchenschema bedienen, das Ernstzunehmendes rigoros ausschließt.

Zu moralisieren und zu belehren ist Alain Freis Profession nicht, er duzt sich mit dem Publikum, als seien alle allerbeste Freunde, und eine Mittvierzigerin sah sich ermuntert, dem Komiker frank und frei zuzurufen: „Seit ich dich das erste Mal im Fernsehen sah, wünsch ich mir dich als Schwiegersohn.“ Die Tochter, die benachbart saß, wünschte sich ein Bier mit Alain nach Ende des Programms. Und alle klatschen Beifall.

Was war bloß los im Kulturcafésaal? Alain Frei machte alle frei, witzige Äußerungen flogen von der Bühne ins Publikum, wurden pariert und sausten zurück, ständig gingen Gäste hinaus, um Bier zu holen, nachdem Alain Frei vom Klischee des biertrinkenden Deutschen gesprochen hatte. Diese Bierlaune flocht Frei in sein Geplauder ein, alle lachten, hatten Spaß, hatten „Pläschär“.

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„Du brauchst keine Bildung, kein Vorwissen – diese Comedy ist ein amüsantes Spiel mit dem Publikum“, merkte ein älterer Herr an, der zur Pause darüber nachsann, worauf Alain Freis Beliebtheit gründete. Tatsächlich: Selbst da, wo Frei Schweizer Vorurteile veranschaulichte und einen Scherz über Hitler einflocht, trat er keinem auf die Füße, blieb amüsant: Hitler wurde als braunes, kläffendes Hündchen ins Bild gesetzt – „Hitler, sitz!“, rief Frei, deutete zu Boden, als lagere der Spitz ihm zu Füßen, und alle lachten.

Alain Frei eroberte den Saal in der Rolle des netten Schweizers mit lauterem Humor.