20 Teilnehmer erlernen in Biebesheim lebensrettende...

Die Helmabnahme bei einem Bewußtlosen mit anschließender Anwendung der stabilen Seitenlage üben die Teilnehmer des Erste-Hilfe-Kurses. Rettungssanitäter Raimund Saar (rechts) zeigt, assistiert von Teilnehmerin Jasemin Trutzel wie es geht. Foto: Robert Heiler/Vollformat   Foto: Robert Heiler/Vollformat

„Hier liegt ein Mofa-Fahrer.“ Raimund Saar deutet auf eine – noch – leere Rettungsdecke auf dem Boden des Gemeindesaals der evangelischen Kirche. Er ist Sanitäter beim...

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BIEBESHEIM. „Hier liegt ein Mofa-Fahrer.“ Raimund Saar deutet auf eine – noch – leere Rettungsdecke auf dem Boden des Gemeindesaals der evangelischen Kirche. Er ist Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und Ausbilder für lebensrettende Sofortmaßnahmen – auch als Erste-Hilfe-Kurse bekannt. Am Samstag schult er 20 Teilnehmer zu Ersthelfern bei Unfällen aller Art.

Auffrischungskurs ist empfehlenswert

Der Kurs ist Plicht beim Erwerb des Führerscheins, er gehört zur Ausbildung als betrieblicher Ersthelfer für die Berufsgenossenschaft, und er wird als Auffrischungskurs allen empfohlen, deren Führerscheinprüfung einige Jahre zurückliegt. Denn einige Empfehlungen für Erste Hilfe ändern sich, werden vereinfacht und an neue Erkenntnisse angepasst.

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Zurück zur Praxis. Schnell legt sich Florian auf die Decke und der Ausbilder demonstriert, wie man einen Bewusstlosen schonend aus einer Gefahrenzone bringt: Von der Kopfseite den Oberkörper aufrichten, mit den eigenen Beinen abstützen und dann mit dem richtigen Griff unter den Armen vorsichtig wegziehen. Danach wird der Bewusstlose in die stabile Seitenlage gebracht, das wissen alle. „Jeder Bewusstlose, der atmet, kommt in die stabile Seitenlage“, erklärt Saar und zeigt eine vereinfachte Version der Oberköper-Drehung. Ziel dabei, so Saar, der Mund muss an der tiefsten Stelle des Verdauungsapparates sein, sonst droht Erstickungsgefahr bei Erbrechen.

Und wie man einen Bewusstlosen richtig dreht, das demonstriert er: Ein Arm in die Schaffnerstellung auf den Boden legen, den anderen über die Brust kreuzen, ein Bein aufstellen, dann an diesem Bein den Verletzten in die Seitenlage drehen, den Kopf leicht überstrecken und auf einer Hand abstützen. „Gehen Sie so mit anderen Menschen um wie Sie wollen, dass man mit Ihnen umgeht“, rät der Sanitäter eindringlich.

Aber was ist, wenn der Verletzte noch einen Helm auf hat, fragt Saar. Mit Helm besteht Erstickungsgefahr, aber beim Abnehmen fürchten viele, mögliche Verletzungen der Halswirbelsäule zu verschlimmern.

Ist der Verletzte bei Bewusstsein, muss er selbst entscheiden, das sei eine rechtliche Frage. Aber bei einem Bewusstlosen muss der Helm auf jeden Fall ab. Da wird der Sanitäter drastisch: „Wenn ein Motorradfahrer bei hoher Geschwindigkeit über ein PKW flog, was wollen sie da noch weiter kaputtmachen? Und er zeigt dann auch die richtigen Handgriffe, die weitere Wirbelsäulenverletzungen vermeiden. „Der Schaden entsteht, wenn wir die Wirbelsäule stauchen.“

Jetzt legt sich Dominik Janke auf die nächste Decke und Saar demonstriert, wie man die Wirbelsäule leicht unter Zug hält. Mutig zieht Jasemin Trutzel den Helm vom Kopf.

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Dann muss jeder Teilnehmer aktiv werden. Dazu bereitet Saar ein Zirkeltraining vor. Verbandszeug für einen Kopf- und einen Druckverband liegen bereit und zwei Decken warten auf die Bewusstlosen. Einer soll aus der Gefahrenzone gebracht werden und einer vom Helm befreit. Und alle übenden Ersthelfer müssen ganz realistisch mit Handschuhen arbeiten.

Wenn etwas passiert, keine Unsicherheit sondern das Gefühl, ich kann nichts falsch machen, das sei ein zentrales Ziel des Kurses, betont Saar. „Das Schlimmste ist, wenn man sich versteckt“, so seine eindringliche Mahnung. Daher gehört auch eine Übungseinheit am Defibrillator zum Kurs. Außerdem wird die Rettung aus einem Fahrzeug geübt und die Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Inzwischen sind die Teilnehmer eifrig dabei, sich gegenseitig zu verarzten. Als hinterlistig erweist sich der Kopfverband, der immer wieder von der – fiktiven – Wunde abrutscht. Das sorgt für Lacher und den Kommentar eines Teilnehmers: „Scheißegal wie es aussieht.“ Und Ausbilder Raimund Saar bestätigt: „Hauptsache, die Wunde ist steril abgedeckt.“