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Rhein-Neckar 

Übergänge entziehen sich der Wahrnehmung

08.05.2009 - MANNHEIM

Von Christian Hoffmann

KULTUR Nicole Berry gestaltet Beleuchtung am Mannheimer Nationaltheater

In der Metropolregion brummt es - auch kulturell. Im Angebot für jeden Geschmack finden sich kleine, feine Veranstaltungsorte und Initiativen, in Nischen. Wir stellen sie in einer Reihe vor, heute: eine Lichtdesignerin.

Früher empfand Nicole Berry Ballett als "sinnloses Herumgehoppel". Da war sie noch Elektroinstallateurin. Irgendwann langweilte sie ihr Broterwerb im kleinen Lehrbetrieb. Darum bewarb sie sich im Januar 1992 als Lichtdesignerin beim Mannheimer Nationaltheater - und wurde engagiert. In diesem Job packte sie schließlich der Theatervirus.

Neben Regie, Kostüm, Maske, Musik und Bühne ist das Licht eine wichtige Säule in der Theaterwelt. Vereint ergeben sie das Gesamtkunstwerk. Ein Lichtdesigner entwirft das Scheinwerferspiel für eine Aufführung, er choreographiert die Beleuchtung. "Für mich ist Licht ein Gefühl", erklärt Berry. Liest sie sich ein Manuskript durch, laufen in ihrem Kopf Bilder ab, was für ein Licht funkeln könnte. Gibt es Spezialeffekte? Wo kann das Licht hereinkommen? So verlangt etwa der Regisseur eine Stimmung, wie bei einem verregneten Novembertag: fahl und dämmerig. Um diese Forderung umzusetzen, wählt Berry ein Licht mit hohem Blauanteil und Grauspuren. Die Quereinsteigerin nutzt gerne Blautöne, was ihr den Spitznamen "Ice Lady" einbrachte.

Beim Ballett ist die Wand im Bühnenhintergrund oftmals im unteren Teil hell, nach oben hin wird sie in Abstufungen dunkler. Dies erreicht ein Fluter hinter der Projektionsfolie - ein spezieller Scheinwerfer mit asymetrischem Spiegel, der es sogar schafft, das Gesicht eines Schauspielers auf der einen Seite kalt und auf der anderen Seite warm auszuleuchten. Zu verhindern sei der Fußballstadion-Effekt, dass mehrere Schatten auf dem Boden verstreut zu sehen sind: Denn vor allem im Ballett ist die Aufmerksamkeit des Publikums auf Beine und Füße der Tänzer gerichtet. Nicole Berry liebt altmodische Herangehensweisen. "Wenn ich daheim auf dem Balkon sitze und in den Himmel blicke, sehe ich Farben", erzählt die 39-Jährige. In der Münchner Pinakothek kann sie Stunden verweilen: Gemälde von Vincent van Gogh oder Caspar David Friedrich geben durch ihre Schattierungen der Lichtdesignerin ebenso Anregungen.

Bis zu 140 Lichtstimmungen erstrahlen in einem Ballett nach chronologischer Abfolge, bei einem Schauspielstück sind es bis zu 60. Dabei sind die Übergänge dermaßen fein, dass sie das Publikum gar nicht wahrnimmt. Das macht nach Meinung von Nicole Berry ein gutes Licht aus. "Man darf es nicht benennen können, Licht ist unterstützend und darf einen Darsteller nicht wegleuchten", betont sie. Es verhält sich wie mit dem E-Bass in der Rockmusik, den Gitarre, Schlagzeug und Gesang überdecken. Dennoch liefert der E-Bass etwas Fundamentales in der akustischen Grundsubstanz - ohne ihn klänge die Musik zu dünn.

Perfektes Timing zwischen Darsteller und Licht zeichnet das professionelle Theater aus. "Selbst nach Jahren bewundere ich diese Punktlandung", schwärmt Nicole Berry. Im Schauspiel könne ein Darsteller schon mal seinen Scheinwerferkegel suchen gehen, beim Ballett sei das undenkbar, da die Tänzer viel zu dynamisch sind. Sekundengenaue Präzision ist hier wichtig.

Lichtdesignerin Nicole Berry bei der Arbeit. AfP AselVergrößern

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