Wer erhält die Konzession?
16.04.2010 - LAMPERTHEIM
Von Oliver Lohmann
STROM Energieried will Grundversorger für Lampertheim und Bürstadt werden
/BÜRSTADT. Ende 2011 laufen die Stromkonzessionen in Lampertheim und Bürstadt aus. Eine Ausschreibung ist erfolgt, nun liegen Bewerbungen vor, die die beiden Stadtverwaltungen gemeinsam mit einem Beratungsbüro sichten und auswerten. Danach werden die politischen Gremien informiert. Ende dieses Jahres oder Anfang 2011 soll eine Entscheidung getroffen werden. Beworben haben sich der bisherige Konzessionsinhaber EWR aus Worms (wir berichteten) und auch Energieried, die ehemaligen Stadtwerke Lampertheim und Bürstadt.
"Bei der Gründung von Energieried wurde bereits vertraglich festgehalten, dass sich das Unternehmen um die Stromkonzessionen bewerben wird", so Lampertheims Erster Stadtrat Jens Klingler im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch würden alle Angebote auf Wirtschaftlichkeit geprüft. Energieried erhalte nicht automatisch die Stromkonzession, nur weil Lampertheim und Bürstadt Anteilseigner sind. Es könne auch sein, dass sich die beiden Städte für verschiedene Energieversorger entscheiden. Die endgültige Entscheidung wird von den beiden Stadtparlamenten getroffen. Kommende Woche wollen sich Lampertheim und Bürstadt darüber abstimmen, wie sie die Gremien informieren. "Es kann eine gemeinsame Sitzung geben oder getrennte", so Klingler.
Frank Kaus, Geschäftsführer von Energieried, möchte seinen Betrieb mit dem Erhalt der Stromkonzession und damit dem Besitz des Netzes zu einem "vollwertigen Mehrspartenunternehmen" machen. Dies steigere den Ertragswert des Unternehmens und führe zu Synergieeffekten, die die Wettbewerbsfähigkeit stärkten. Beispielsweise könnten bei Baumaßnahmen oder Erneuerungen gleichzeitig Gas-, Wasser- und Stromleitungen verlegt werden. Die Übernahme des Stromnetzes von EWR sei ohne Risiken, versichert Kaus. Es sei Eigenkapital vorhanden, den Rest finanzierten Banken, weil der Besitz des Netzes einen Gewinn garantiere. Denn Energieried bekäme Netzentgelte auch für die Kunden, die einen anderen Versorger haben. "EWR wäre gesetzlich verpflichtet, uns das Netz zu verkaufen, wenn wir die Stromkonzession erhalten", so Kaus. Als Energieried die Gaskonzession in Bürstadt bekam, weigerte sich HSE, das Netz zu verkaufen. Auf dem juristischen Weg hat sich Energieried allerdings durchgesetzt - in diesem Jahr werde das Gasnetz übernommen, sagt Kaus. Der Preis für das Stromnetz ist ungewiss.
Vorteile habe die Übernahme des Stromnetzes auch für die Kassen der Städte, denn die Gewerbesteuer bliebe im Ried statt in Worms, urteilt Kaus. Aufträge für die Netzbewirtschaftung gingen ebenfalls an Firmen im Ried, was nochmals Gewerbesteuereinnahmen bringe und außerdem Arbeitsplätze schaffe. Möglicherweise schaffe auch Energieried Stellen. "Außerdem können die Städte über den Aufsichtsrat politischen Einfluss nehmen", erläutert Kaus. Energieried sei ein rein kommunales Unternehmen, da neben Lampertheim und Bürstadt nur noch das kommunale Unternehmen GGEW Anteile halte. In Großstädten würden Energieversorger bereits wieder in kommunale Hand übergehen.
Kaus sieht Energieried gut aufgestellt für die Zukunft: Man habe im Wettbewerb mit großen Energieversorgern bestehen können und Widerstände auf juristischem Weg beseitigt. Verstärkt will das Unternehmen erneuerbare Energien fördern. Im vergangenen Jahr wurde bereits eine Fotovoltaikanlage auf das Dach des Firmengebäudes in Lampertheim installiert, derzeit wird eine weitere auf das Hofheimer Bürgerhaus gesetzt. Eventuell will man sich auch an Windpark- und Biogas-Projekten beteiligen: "Aber wir werden nicht selbst Biogasanlagen oder Windparks betreiben. Wir gehen kein Risiko ein", so Kaus. Vor mehreren Monaten hatte Energieried beim Regierungspräsidium beantragt, Messungen für Vorerkundungen zur Nutzung von Geothermie durchführen zu dürfen. Auch hier ist für Kaus und seine Mitarbeiter Warten angesagt - es ist noch keine Entscheidung getroffen.
