SOLARWAND Weil die Schrauben nicht endgültig befestigt waren, rutschten Module aus der Verankerung
(uvw). Als eine "Extremerfahrung" bezeichnet Olaf Greshake den Blick auf die löcherige Solaranlage. Der Geschäftsführer der Firma SolarArt traf am Sturmsonntag um 16 Uhr bei dem Kraftwerk auf der Lärmschutzwand an der B47 ein. Informiert wurde er von dem massiven Ausbruch der Module schon um 13.45 Uhr. Um 16 Uhr ist er vor Ort. Das Unternehmen, das die Anlage erbaut hat, hat seinen Sitz im Fränkischen - und die Anreise dauert. Mit vier Monteuren gelingt es, bis 21 Uhr das Konstrukt so weit zu stabilisieren und zu sichern, dass keine weiteren der 15 Kilogramm schweren Platten aus der Verankerung rutschen. Am Montag haben die Reparaturarbeiten begonnen.
Insgesamt 22 Module hat der Sturm "Xynthia" von der Unterkonstruktion regelrecht losgerüttelt und auf dem Ackerboden zu Fall gebracht. "Drei bis fünf sind schadhaft. Alle anderen haben den Sturz überlebt und werden wieder eingebaut." Bis spätestens Freitag soll das Solarkraftwerk komplett repariert sein. In Betrieb ist die Anlage trotzdem. "Nur in Bereichen, in denen gearbeitet wird, schalten wir ab."
Bei der feierlichen Einweihung am Montag vor einer Woche machte das Wort vom "neuen Gutachterreichtum im Vorfeld der Installation" die Runde. "Es gibt, so glaube ich, kaum eine weitere Anlage in Deutschland, die so detailliert untersucht worden ist", sagte Armin Hambrecht in seiner Festansprache. So stellen wir dem SolarArt-Geschäftsführer Greshake die Frage, was denn - trotz Statikgutachten - schief gelaufen sei. "Die Abrissmuttern waren erst mit einem vorläufigen Drehmoment befestigt. In 99 Prozent aller Fälle ist das ausreichend." Noch befinde sich das Kraftwerk im Anlaufbetrieb. Für Feineinstellungen müsse nachjustiert werden können. Mit der abschließenden Arretierung wurde deshalb gewartet. "Das endgültige Drehmoment ist unlösbar und soll vor Diebstahl schützen."
Nun haben nicht Diebe, sondern Naturgewalten die Rolle als Raubritter übernommen. Was passiert, wenn der nächste Orkan bläst? Einen Konstruktionsfehler weist Greshake von sich. "Den Kamineffekt haben wir berücksichtigt." Doch mit diesem Sturm habe niemand gerechnet. "Wir wollen aus der Extremerfahrung lernen." Dazu werden jetzt an den Enden Windschutznetze angebracht. Die "sehr geringe" Schadenshöhe beziffert er mit 2000 bis 3000 Euro. "Das Teuerste sind meine Nerven", kommentiert der Wirtschaftsingenieur das vergangene Wochenende.

