KINO Ein Blick hinter die Kulissen der Filminsel/Kein Knistern und Knacken
(wb). Der Blick hinter die Kulissen der Filminsel Biblis: des Vorführers Reich. Während sich vorn im Saal die Gäste ihren Platz aussuchen, Chips und Süßes knabbern und auf den Filmstart warten, ist er hier in seinem Element und bereits seit gut einer halben Stunde in Aktion.
Im engen Räumchen sind die zwei beeindruckenden Projektoren der Marke "Ernemann 8 mit Xenonlampen" untergebracht. Ringsum stapeln sich Filmrollen, baumeln Filmanschnitte am Nagel und die Eulenspiegel, die technische Finesse der Vorführapparate, blinken. "Die Rollenanfänge müssen zugeschnitten, der Film von der Transportrolle umgespult und die Werbetrailer angefügt werden", erklärt Andreas Aust, der jahrelang selbst als Vorführer im Kabäuschen gearbeitet hat. Dann heißt es: Wecker stellen, denn nach etwa 20 Minuten werden die Rollen manuell umgestellt - von einem Gerät auf das nächste. Langsam wird klar, warum man zum Vorführen eine regelrechte Anleitung, fast eine Ausbildung braucht. "Die geben wir an die Neuen weiter", sagt Aust.
Früher gab es neben den Bildrollen auch noch welche extra mit dem Ton. An die herrlichen "Verschieber", wenn auf der Leinwand schon leidenschaftlich geküsst wurde, im Ohr aber noch der vorangehende Liebesschwur erklang, kann man sich noch gut erinnern. Aber die beiden Schätze der Filminsel haben schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel, sie sind Baujahr 1951. Fest installiert stehen sie seither an ihrem Platz. 1995 wurde auf die neuere Technologie der Xenonlampen umgebaut. Diese Lichtbogenlampen ohne Glühfäden erzeugen Licht nahe dem Tageslicht. Die bereits erwähnten Eulenspiegel lassen das UV-Licht durch, und nur die Tageslichtwellen werden nach vorn reflektiert.
Eine kleine Anekdote zur historischen Lichtbogenerzeugung weiß der Technikfan zu berichten: "Es gab zwei offene Kohlestäbe, die sich gegenüber lagen und zusammen gekurbelt wurden, bis sie sich berührten - Zündung - und dann langsam wieder auseinander kurbeln, bis der Bogen steht", erklärt er schmunzelnd. "1995 gab es dann auch eine neue Leinwand", erinnert sich Aust. 2006 wurden die Getriebe der Projektoren noch einmal gereinigt und instandgesetzt: "Der einzige, der das noch konnte, ging mit unserem Getriebe in Rente", ist Aust froh, dass es noch geklappt hat, im fernen Kiel die Teile zu reparieren. 2007 zog dann die neueste Tontechnik in die Bibliser Hintergasse und das dortige Kino: "Dolby Digital EX" war das Zauberwort.
Die Lautsprecheranlage wurde erneuert und erweitert - der Sound eines großen Kinos war da. Die Filmvorführgeräte sind schon für das digitale Kino vorbereitet, aber: "Jeder Analogfilm sticht in der Qualität den digitalen aus", sagt der Spezialist.
Und solange es noch analoge Filme gibt, bleiben die beiden Ernemanns in der Filminsel so, wie sie gerade sind. Für den Kinogast macht vor allem das Tonsystem den Unterschied, denn das Knistern und Knacken ist vorbei - damit aber auch ein wenig Nostalgie.
