Nicht nur volle Leistung möglich
27.03.2010 - BIBLIS
KERNKRAFTWERK Dr. Lauer stellt mögliches Zusammenspiel von erneuerbaren Energien und Kernkraft vor
(udi). Für Kraftwerksleiter Dr. Hartmut Lauer bilden flexible Bibliser Kraftwerksblöcke und erneuerbare Energien eine Brücke in eine klimafreundliche Zukunft. Mit dieser Feststellung wurde das 62. Kraftwerksgespräch mit Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Informationszentrum des Kraftwerkes in Biblis eröffnet. Neben zahlreichen Vertretern aus der Kommunalpolitik beiderseits des Rheins waren die Landtagsabgeordneten Alexander Bauer (CDU), Heinrich Heidel (FDP) und Norbert Schmitt (SPD) sowie der Darmstädter Regierungspräsident Johannes Baron und der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Metz unter den Teilnehmern.
Das vergangene Jahr wurde der Standort Biblis von zwei Revisionen mit umfangreichen Nachrüstungen und Modernisierungen geprägt. Die Kosten für die Revision Block A bezifferte Lauer auf 68 Millionen Euro, davon entfielen rund 27 Millionen Euro auf Nachrüstungen und Modernisierungen. Die Revision in Block B lag bei einem Investitionsvolumen von 142 Millionen einschließlich 100 Millionen Euro für Nachrüstungen und Mo-dernisierungen. "Unser Kraftwerk muss den Vergleich mit deutschen oder internationalen Anlagen in punkto Sicherheit nicht scheuen", so Lauer.
"In den letzten zehn Jahren haben wir rund 1,4 Milliarden Euro in Nachrüstungen, Inspektionen und Modernisierungen investiert." Beide Kraftwerksblöcke sind wieder am Netz und leisteten einen Beitrag zur umweltfreundlichen und sicheren Stromversorgung in der Region. Seit Inbetriebnahme des Kraftwerkes würden mehr als 495 Milliarden Kilowattstunden erzeugt und damit der Umwelt C02-Emissionen von rund 410 Millionen Tonnen erspart.
Ein Blick in die Jahresbilanz zeige, dass das Kraftwerk auch einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaftskraft der Region geleistet habe. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lag das jährliche Auftragsvolumen bei rund 200 Millionen Euro, davon flossen rund 70 Millionen in die Metropolregion Rhein-Neckar. Insgesamt habe Biblis mehr als 1500 regionale Arbeitsplätze gesichert, davon seien 1000 dauerhaft im Kraftwerk beschäftigt. Im letzten Jahr habe die Betreiberfirma RWE Power in Biblis 30 neue Mitarbeiter eingestellt. In diesem Jahr stünden wieder Neueinstellungen an, kündigte Dr. Lauer an. Zusätzlich würden l5 junge Menschen ihre Ausbildung beginnen.
Im Blick auf die Beratungen der Berliner Koalition über ein neues Energiekonzept und die dabei erhoffte Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke stellte Dr. Lauer einen besonderen Aspekt heraus: das Zusammenspiel von erneuerbaren Energien und Kernkraft. Aus wirtschaftlichen Gründen seien Kernkraftwerke überwiegend im Dauerbetrieb mit voller Leistung eingesetzt. Von Haus aus seien sie doch so konzipiert, dass sie jederzeit mit unterschiedlich geregelter Leistung arbeiten können. Das bedeute in der Praxis: Kernkraftwerke könnten ihre Leistung umfangreicher und schneller als nahezu alle anderen Kraftwerkstypen regulieren. Wenn Windkraftwerke mangels Wind Erzeugungsprobleme haben, könnten mögliche Einspeiseschwankungen flexibel mit 9600 Megawatt innerhalb von 15 Minuten aufgefangen werden. Das sei dringend notwendig, da es schon jetzt Tage gebe, an denen sich die Windeinspeisung innerhalb von 24 Stunden um rund 20 000 Megawatt ändere. Dies könne je nach Tages- und Jahreszeit zwischen 25 und 50 Prozent des Strombedarfs sein. Fazit: Kernenergie und Erneuerbare Energien seien Teil einer Brücke, die in eine klimafreundliche Zukunft führe.
Als Gastreferenten wurden dazu noch zum Thema "Ökonomische Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke" der Diplomvolkswirt Ralf Wissen und zum Thema "Verträglichkeit von erneuerbaren Energien und Kernenergie im Erzeugungsportfolio" der Diplom-Wirtschaftsingenieur Matthias Hundt begrüßt. Beide unterstrichen mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten die Forderungen des Betreibers, dass in Biblis noch lange klimafreundlich, sicher und flexibel im Zusammenspiel mit den Erneuerbaren Energien ein wichtiger Beitrag zur Stromversorgung geleistet werden könne.
