Klubheim der Groß-Rohrheimer Hundefreunde soll abgerissen werden
GROSS-ROHRHEIM (wb). Es ist der 28. Januar, als Vertreter der Verwaltung und einige Mitarbeiter der BASF auf das Vereinsgelände des Hundevereins kommen, vermessen und Kennzeichen setzen. Nun ist der Erste Vorsitzende Friedel Hofmann den Tränen nahe und am Boden zerstört.
"Die Gebäude müssen abgerissen werden", heißt es. Unter ihnen verläuft die Ethylen-Fernleitung der BASF von Ludwigshafen nach Kelsterbach. "Das ist das Aus für unseren Verein", sagt Hofmann.
Quer unter dem Gelände hindurch verläuft die Gashochdruckleitung mit 100 Bar Druck nur einen Meter unter der Erdoberfläche - direkt unter der Blockhütte, die als Vereinsheim gebaut wurde. Dort liegt sie schon seit zirka 50 Jahren. Bei einem Gespräch mit unserer Zeitung am Mittwoch sind die grellgelben Markierungen, die quer über den Boden des Gebäudes verlaufen, deutlich zu sehen. In drei Metern Abstand rechts und links davon darf keine Bebauung stehen.
Die Gründungsmitglieder Friedel Hofmann, Norbert Rückeis (Rechner) und Gerhard Henzel schütteln immer noch verständnislos die Köpfe: "Wir haben 1979, ein Jahr nach Abschluss des Pachtvertrags mit der Gemeinde, einen Bauantrag für unser Vereinsheim gestellt", sagte Henzel. Ganz offiziell - keiner sprach damals von der Gasleitung. Auch der damals ausgehändigte Lageplan für das Gelände weist nicht auf das explosive Untergrundleben hin. "Es gab nie eine Bauzusage, aber auch keine Ablehnung", erläuterte Henzel, der zur Bauzeit Vorsitzender des Hundevereins war. Ganz im Gegenteil: Die Genehmigungsbehörde erlegte dem Verein auf, eine Bepflanzung des Areals nach Vorschrift vorzunehmen. "1400 Bäume und Pflanzen, die wir alle einmal in der Hand hatten, haben wir in Arbeitseinsätzen gepflanzt", sagte Rechner Rückeis. Einige davon hat die Gemeinde bereits fällen lassen, denn sie stehen zu dicht bei der Druckleitung.
Immer wieder habe man gespart, um den erfolgreichen Verein auch auf dem Gelände gut dastehen zu lassen, erinnerte sich Friedel Hofmann. Dazu gehörte auch ein Vereinsheim, eine kleine Küche und ein Brunnen. Den hat man vollkommen unbescholten geschlagen - knapp 40 Zentimeter neben der Gasleitung.
1983 wurde noch einmal ein Antrag auf finanzielle Unterstützung an die Verwaltung für die Toilettenanlage, den Unterstand und mehr gestellt: "Auch da kein Hinweis."
Vor 30 Jahren hatte Bürgermeister Peter Rudolf den Verein im Baubestreben unterstützt. Der heutige Verwaltungschef Rainer Bersch sagte auf Anfrage: "Mit der neuen Technik ist die Leitung neu vermessen worden", dabei sei entdeckt worden, dass die Hütten und Teile der Pergola dort nicht stehen dürfen. Es habe damals noch keinen Bebauungsplan für das Gebiet gegeben. "Wir wollen retten, was zu retten ist", die Verwaltung will helfen, den Schaden für den Verein zu begrenzen und wartet auf eine Kostenkalkulation.
Der Chemie-Konzern hat noch keine Hilfe signalisiert. Ein weiteres Treffen im März soll zur Klärung beitragen. "Das ist unser Ruin", sagt Rückeis. Der Verein habe weder das Geld noch die Helfer - noch derzeit die Motivation, an anderer Stelle auf dem Gelände neu zu bauen.
In einer Vorstandssitzung wurde in emotionaler Diskussion entschieden, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Dort soll über die Auflösung des Vereins beraten und abgestimmt werden. "Wir haben zwar keine Hoffnung mehr, aber nichts ist unmöglich." Auch wenn es schwer fällt, ganz geben sich die drei Hundefreunde nicht geschlagen.
