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WIESBADEN 

31-jährige Türkin in Wiesbadener Innenstadt erstochen aufgefunden

02.10.2009 - WIESBADEN

Von Wolfgang Degen

Sie hatte sich den Namen Hatun ausgesucht. “Ein sehr schöner Name, er gefällt mir", sagte sie und lächelte. Die Lebensgeschichte freilich, die sie erzählte, verbot das Lachen. Ihre wahre Identität hatten wir in der Berichterstattung Ende Januar über Opfer Häuslicher Gewalt verschleiert, um sie zu schützen.

Nurdan E., so hieß die junge Frau wirklich, hatte allen Grund zur Vorsicht: 252 Tage hatte die Türkin im Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt Schutz gesucht, für sich und ihre beiden Töchter. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann, der ihnen das Leben zur Hölle gemacht hatte. In der Hellmundstraße bezogen Nurdan und ihre 11 und 13 Jahre alten Kinder später eine kleine Wohnung. Ihr neues Leben.

Kein konkreter Verdacht

Es währte nur wenige Monate ­ am Mittwochabend fanden die Kinder ihre Mutter tot in der Wohnung in der Hellmundstraße. Nurdan E. wurde Opfer eines Verbrechens. Ihr Körper wies zahlreiche Stichverletzungen auf. Befragungen der Polizei bei Nachbarn ergaben, dass diese nichts von einer gewaltsamen Auseinandersetzung in der Wohnung mitbekommen haben. Entweder hatte die 31-Jährige dem späteren Täter die Tür geöffnet, oder der hatte einen Schlüssel. Das Schloss jedenfalls ist nicht beschädigt. “Ein konkreter Tatverdacht gegen eine bestimmte Person liegt derzeit nicht vor", erklärt die Polizei.

Entsetzen und tiefe Betroffenheit hat die Nachricht von Nurdans Tod bei den Frauen im Awo-Frauenhaus ausgelöst. Die zierliche Frau, die es geschafft hatte, sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen, hatte anderen Frauen Mut gemacht. Nurdan hatte sie ermutigt, Angst ab- , Selbstvertrauen aufzubauen.
“Ich bin stark", sich und anderen misshandelten Frauen hatte sie diese Botschaft immer wieder eingebleut. Auch ihrer Schwester.

Nurdan E. stammt aus Ostanatolien, in der 5. Klasse meldete der Vater seine Tochter von der Schule ab. Für Mädchen reine Zeitverschwendung, meinte der herrische Vater. Auch die Lehrer können ihn nicht umstimmen. “Er hat mir als Erster meine Chance genommen", sagte Nurdan. Je mehr Schläge, desto besser pariert die Tochter, denkt der Vater. Und so verfährt er denn auch. Mit 16 heiratet Nurdan ihre große Liebe. Fünf Jahre später stirbt ihr Mann.

Die Alleinerziehende schlägt sich einige Jahre durch, dann wird ein Hochzeits-Paket geschnürt: Nurdans Mutter heiratet, ihr Stiefvater arrangiert eine Ehe ­ sein in Deutschland lebender Sohn brauche eine “gute Türkin", eine Muslima, zur Frau. Als Gegenstück zu der “deutschen Schlampe", von der er geschieden wurde. Nurdan fügt sich. Kurz nach der Heirat in der Türkei schlägt ihr Mann sie grün und blau. Später, in dem für sie fremden Deutschland, ist sie ihm ausgeliefert. Ihr Mann entpuppt sich als Despot.

Zum Eigentum degradiert

Er sperrt sie ein, dressiert sie und die Kinder, prügelt alle, verhöhnt die Misshandelte. Sie solle abhauen in die Türkei. “Du bist eine Schlampe, und zu nichts zu gebrauchen". Weil er das Geld verprasst, muss sie arbeiten ­ in der Zeit schlägt er sie so, dass es niemand sieht. In die Rippen, in den Bauch, nicht ins Gesicht. Er will ja kein Gerede, keinen Ärger mit der Polizei. Nurdan und ihre Kinder sind sein Eigentum.

Ein erster Ausbruch ins Frauenhaus dauert nur kurz, sie lässt sich einwickeln von den Liebesschwüren. Kaum daheim, setzt es wieder Schläge. Ihn interessiert vor allem: “Hast du im Schlampenhaus mit anderen Männern geschlafen?" Um seine Macht zu demonstrieren, schlägt ihr Mann in ihrem und ihrer Kinder Beisein in der Küche einen Hundewelpen tot. “Er hat nur mir zu gehorchen. Ich allein bin hier der Chef", tobt ihr Mann. Der kleine Hund hatte den “Falschen" aufs Wort gehorcht. Diesmal gelingt Nurdan der Absprung. “Ich bin aus dem Dunkeln ins Helle gekommen", beschrieb sie ihre Freiheit. Das Helle war ihr nur kurz gegönnt.

Feuerwehr. Symbolfoto: Fotolia

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05.10.2009 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

aha

Alle heulen um das gerede des DeutscheBank Chefs und hier in Wiesbaden geht es ab wie in Ostanatolien.

Ja, wir verschließen lieber weiter die Augen, denn Islam ist ja Frieden!

02.10.2009 Dieser Kommentator ist bei uns nicht registriert.

Wie oft noch ?

Wie oft noch müssen wir von solchen feigen Morden hören und lesen? Warum schafft es eine Gesellschaft und ihre Organe nicht, die Opfer zu schützen? Wut und Trauer verstärken sich bei uns schon jetzt, wenn im hoffentlich bald stattfindenden Gerichtsverfahren wieder von "Familienehre" die Rede sein wird. Das Opfer hat sich entschieden, mit der Tradition zu brechen, und das muss respektiert werden, wenn man in unserer Gesellschaft lebt. Das Strafmaß darf heimische Moralvorstellungen auf keinen Fall berücksichtigen.. Wir trauern mit den Kindern..

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